Daniel Hope in der Philharmonie : Acht Jahreszeiten

Geiger Daniel Hope spielt Antonio Vivaldis „Die vier Jahreszeiten“ in der Philharmonie - und das gleich zweimal. Er stellt das Original neben eine Version von Max Richter.

Elias Pietsch
Geiger Daniel Hope.
Geiger Daniel Hope.Foto: Mike Wolff

Der Geiger Daniel Hope hat für seinen Auftritt in der Philharmonie ein Werk mitgebracht, das zu den absoluten Hits der klassischen Musik gehört: Antonio Vivaldis „Die vier Jahreszeiten“. Und weil er den 1725 veröffentlichten Zyklus von vier Violinkonzerten so gerne mag, spielt er ihn gleich zweimal – neben Vivaldis Original ist auch eine Bearbeitung der Partituren durch den britischen Komponisten Max Richter zu hören. Richter hat Vivaldis Musik als Ausgangspunkt genommen, um eine eigene Version zu schaffen, die von Minimal Music à la Steve Reich und seiner Arbeit als Filmmusikkomponist beeinflusst ist.

Daniel Hope beginnt mit Vivaldi, unterstützt wird er dabei vom Zürcher Kammerorchester, dessen musikalischer Leiter er seit 2016 ist. Die Musiker, die im Stehen spielen, interpretieren die „Vier Jahreszeiten“ äußerst filigran, die Zartheit der Musik kommt wunderbar zum Tragen. Wo Vivaldi als Kontrast dagegen aggressive Naturkräfte beschwört, entwickelt sich eine unglaubliche Intensität, an der Daniel Hopes oft recht ruppiges Geigenspiel großen Anteil hat.

Ungemein spannender Vergleich

Es vermitteln sich zwei Dinge: Die Musiker haben richtig Spaß an der Sache. Und der Solist fügt sich hier bewusst ins Ensemble ein, will nicht im Mittelpunkt stehen, hält sich in leiseren Passagen sehr zurück. Ganz anders nach der Pause: Bei Max Richters „Recomposed“-Variante der „Vier Jahreszeiten“ liegt Daniel Hopes Spiel über allem.

Die Instrumente sind nun verstärkt, auch weil ab und zu Samples oder ein dezenter Synthesizer aus den Boxen schallen. Der resultierende Klang ist glasklar und passt perfekt zum schwebenden Charakter von Max Richters Version. Daniel Hopes Spiel ist hier nun sehr emotional, trotz der kleinen Besetzung des Züricher Kammerorchesters entsteht ein Breitbandsound, der an Max Richters Film- Soundtracks erinnert.

Die Idee, beide Stücke hintereinander an ein und demselben Abend zu spielen, geht voll auf. Alle Sorgen, dass dieses Doppel auf die Dauer langweilen könnte, werden zerstreut. Im Gegenteil: Der Vergleich ist ungemein spannend und lässt sowohl Vivaldis als auch Richters Musik in neuem Licht erscheinen.

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