• Das falsche Signal?: Schauspielverband kritisiert Berlinale für genderneutrale Preise

Das falsche Signal? : Schauspielverband kritisiert Berlinale für genderneutrale Preise

Die Berlinale will ab 2021 genderneutrale Schauspielpreise vergeben. Der Bundesverband Schauspiel sieht das als Rückschritt im Kampf um Gleichberechtigung.

Männchen, Weibchen oder einfach egal? Die Bären der Berlinale.
Männchen, Weibchen oder einfach egal? Die Bären der Berlinale.Foto: Christoph Soeder/dpa

Der Bundesverband Schauspiel kritisiert die Entscheidung der Berlinale, ab 2021 genderneutrale Schauspielpreise zu vergeben. Die Streichung von Geschlechterkategorien trage nicht dem Thema Diversität Rechnung, sondern gehe zu Lasten der Gleichberechtigung von Schauspielerinnen, erklärte Verbandschefin Leslie Malton am Dienstag in Berlin.

„Die Berlinale versucht mit ihrer Entscheidung politisch korrekter zu sein als korrekt und erweist den wichtigen Zielen zur Erreichung von Gender- und Diversitätsgerechtigkeit im wahrsten Sinne des Wortes einen Bärendienst.“

Statt der Auszeichnungen für den Besten Darsteller und die Beste Darstellerin sollen bei der Berlinale künftig ein „Silberner Bär für die Beste Schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle“ und ein „Silberner Bär für die Beste Schauspielerische Leistung in einer Nebenrolle“ vergeben werden.

„Um mehr gendergerechtes Bewusstsein in der Branche zu erreichen und ein Signal zu setzen, müssen die derzeit benachteiligten Geschlechter sichtbarer werden“, betonte Malton. „Aber die Streichung der Geschlechterkategorien führt zum Gegenteil.“

Die deutsche Filmindustrie habe erst vor wenigen Jahren begonnen, geschlechterspezifische Benachteiligungen von Frauen als Problem anzuerkennen, sei aber von gelebter Gleichberechtigung meilenweit entfernt.

Immer noch seien weibliche Rollen in deutschen Filmen halb so präsent wie männliche, hieß es. In dieser Situation den Preis für weibliche Rollen abzuschaffen, werde dazu führen, dass Schauspielerinnen für ihre Leistungen künftig ähnlich wenig gewürdigt werden, wie es bereits jetzt bei den Frauen in den anderen Kategorien der Berlinale-Auszeichnungen der Fall sei. (dpa)

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