Dirigent Juraj Valčuha : Klanglawinen

Mit Karacho und Wehmut: Juraj Valčuha und Solist Valeri Sokolow spielen mit dem Konzerthausorchester Chatschaturjan. Sie wissen seine Dramaturgie zu nutzen.

Alexandra Ketterer
Als Erster Gastdirigent ist Juraj Valčuha eng mit dem Konzerhausorchester verbunden.
Als Erster Gastdirigent ist Juraj Valčuha eng mit dem Konzerhausorchester verbunden.Foto: promo

Wie das funkelt! Harmonium und Harfenklang glitzern mit dem prächtigen Saal um die Wette. Mit Erich Wolfgang Korngolds Schauspielmusik zu „Viel Lärm um nichts“ schwingt sich das Konzerthausorchester in märchenhafte Welten. Romantik auf schwindelerregend Niveau. Wer dabei an frühe Hollywood-Soundtracks denkt, hat recht. Nach der Flucht vor den Nazis fokussierte sich das einstige Wiener Wunderkind im amerikanischen Exil auf die Konzeption von Filmmusik. Unter Juraj Valčuhas Leitung wirkt die Vorfreude des „Mädchen im Brautgemach” wie ein Schwalbenschwarm, der grazil durch die Lüfte schwebt.

Dann Aram Chatschaturjan, sein „Konzert für Violine und Orchester in D-Moll“, für das der sowjetische Komponist noch den Stalinpreis erhielt, bevor auch er dann in staatliche Ungnade fiel. Scheint ihm das Konzerthausorchester zu Beginn noch wegzulaufen, vermag sich der Solist Valeri Sokolow dann doch dem treibenden Tempo von Valčuha anpassen. Seinen Dauereinsatz meistert er großartig, macht seine Geige zur vollen, vielseitigen Singstimme. Das Klangspektrum reicht von Lebensfreude und Wehmut. Aram Chatschaturjan war ein Meister der Dramaturgie, Sokolow und Valčuha wissen sie zu nutzen. Entspannt zurücklehnen kann sich hier keiner. Beinahe hypnotisiert lauscht das Publikum dem Kampfgeist armenischer Partisanen, der in vollem Karacho und Fanfarenglück aufbrandet.

Rau, derb und ungestüm sollen die Blechbläser klingen, wie ein Militärensemble soll das Orchester die „Sinfonietta“ spielen. Diesem Wunsch des Komponisten Leoš Janácek kommt das Konzerthausorchester nach. Ein Dutzend weitere Blechblasinstrumenten gehen auf der Empore in Stellung. Seine Freude über die Unabhängigkeit Tschechiens hat Janácek in das Stück hineingeschrieben. Valčuha beschwört diesen Optimismus, bestärkt das Orchester, dem er als Erster Gastdirigent eng verbunden ist, sich mutig in die Tanzrythmen hinein zu lehnen. Die bezeichnenden, kurzen Motive Janáceks arbeiten sie sauber heraus, brachial melden sich die Posaunen dazu. Das Werk gipfelt in einer Klanglawine. Von einer solchen Wucht lässt man sich gerne mitreißen.

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