Doppelte Preisverleihung : Kurioser Konkurrenzkampf der Opern-Fachmagazine

Alle wollen Preise verleihen: Die Kritiker der „Opernwelt“ haben ihre Favoriten bereits gekürt. Am Samstag folgen die „Opera! Awards“ im Berliner Konzerthaus.

Joana Mallwitz ist für die Kritikerinnen und Kritiker der "Opernwelt" die Dirigentin des Jahres.
Joana Mallwitz ist für die Kritikerinnen und Kritiker der "Opernwelt" die Dirigentin des Jahres.Foto: dpa

Die alljährliche Umfrage unter den 50 Kritikerinnen und Kritikern des Fachmagazins „Opernwelt“ wird stets mit Spannung in der Szene erwartet. Denn die Auszeichnungen haben Gewicht. Hier urteilen Fachleute, hier geht es nicht um die Marktgängigkeit von Stars, sondern ausschließlich um die künstlerische Qualität. Jetzt aber greift die Konkurrenz an: Die Zeitschrift „Oper!" hat erstmals „Awards" ins Leben gerufen, die am Samstag vergeben werden sollen.

Daraufhin hat die „Opernwelt“ die eigentlich erst für Ende September angekündigte Veröffentlichung ihrer Kritiker-Voten nun vorgezogen: Die Opéra national du Rhin im Elsass wurde zum „Opernhaus des Jahres“ gewählt. Gelobt werden „Entdeckerfreude, originelle Programme, vorbildliche Repertoirepflege sowie kreativen Esprit“. Damit gewann zum zweiten Mal ein französisches Haus.

Zur besten Aufführung wurde die „Salome“-Produktion der Salzburger Festspiele gekürt. Die litauische Sopranistin Asmik Grigorian, die in „Salome“ die Hauptrolle sang, wurde „Sängerin des Jahres“. Fast die Hälfte der Kritiker entschied sich für Grigorian. So viele Voten seien in fast drei Jahrzehnten der Kritikerumfrage auf keinen Sänger und keine Sängerin entfallen, heißt es von Seiten der „Opernwelt“. Romeo Castellucci, der bei der "Salome" für Regie und Bühne verantwortlich zeichnete, gewann in beiden Kategorien.
Über die Auszeichnung als „Dirigentin des Jahres“ kann sich Joana Mallwitz freuen, die neue Musikchefin am Staatstheater Nürnberg. Die 33-Jährige habe das Kunststück vollbracht, „binnen kürzester Zeit Musiker, Publikum und Kritik zu begeistern, unter anderem mit Prokofjews selten gespielter Tolstoi-Oper „Krieg und Frieden“ und Wagners „Lohengrin““, schrieb der verantwortliche Redakteur, Albrecht Thiemann. Das Bayerische Staatsorchester wurde zum achten Mal „Orchester des Jahres“ und der Chor der Staatsoper Stuttgart zum zwölften Mal der „Chor des Jahres“.

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In Konkurrenz zur „Opernwelt" hat das ebenfalls in Berlin erscheinende Magazin „Oper!“ in diesem Jahr einen neuen „Best of“-Wettbewerb ins Leben gerufen. Um sich von der Konkurrenz abzusetzen, handelt es sich aber um einen öffentlich vergebenen Preis, mit dem laut Eigenwerbung „die Besten der  internationalen Opernbranche öffentlich gewürdigt“ werden sollen. Die Gewinner-Gala findet am 21. September im Konzerthaus Berlin statt. Die „Oper! Awards“ werden in 20 Kategorien vergeben, die sich weitgehend mit denen der „Opernwelt“ decken. In der Jury der „Oper! Awards“ sitzen Eleonore Büning und Franziska Stürz, Manuel Brug, Uwe Friedrich, Kai Luehrs-Kaiser, Ulrich Ruhnke, Björn Woll und Stephan Schwarz-Peters.

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