Ensemble Mosaik : Partyschreck

Das Ensemble Mosaik feiert seinen 20. Geburtstag im Kesselhaus mit der Konzertreihe „Autonome Musik“.

Elias Pietsch
Der Dirigent Enno Poppe.
Der Dirigent Enno Poppe.Foto: Harald Hoffmann

Das Berliner Ensemble Mosaik erforscht seit nun 20 Jahren die Möglichkeiten und Grenzen von Neuer Musik, immer auch mit dem Fokus auf alternative Formen der Aufführung. Um dieses Jubiläum angemessen zu feiern, veranstalten die Musikerinnen und Musiker die vierteilige Konzertreihe „Autonome Musik“. Der dritte Teil, „Situationen“ benannt, wurde am Donnerstagabend im Kesselhaus in der Kulturbrauerei aufgeführt. Die zerfurchten grauen Wände dieses Raums haben in all ihrer Rohheit eine gewisse Schönheit, bei längerem Betrachten fallen einem interessante Muster auf. Ähnlich ist es mit der Musik, die das Ensemble mitgebracht hat: In kontrolliertem Chaos verbergen sich immer wieder Ansätze einer Melodie.

Das Konzert beginnt mit einem Werk von Enno Poppe, dem Dirigenten des Ensemble Mosaik. „Fleisch“ wirkt im ersten Moment wie Rockmusik, das Quartett mit E-Gitarre, Schlagzeug, Synthesizer und Saxofon würde dazu auch gut passen. Doch schon nach wenigen Sekunden ist dieser Moment vorbei, es fehlt etwas – der Groove. Die Musiker spielen nur Bruchstücke, dazwischen herrscht Stille. Eine ungemeine Spannung entsteht: Immer wenn man sich an einer musikalischen Idee festhalten zu können meint, wird einem diese Illusion durch einen Taktwechsel oder den laut pluckernden Synthesizer genommen. Das erinnert manchmal an Jazz, aber auch an die kathartischen Lärm-Exzesse des Noise Rock.

Ideen von Klezmer schwirren herum

Das folgende Stück des Franzosen François Sarhan setzt auf eine etwas klassischere Instrumentierung. Es beeindruckt jedoch mit einer anderen Idee: Die Musiker schalten im Verlauf auf sie gerichtete Lampen immer wieder an und aus. So flackert das Licht über die Bühne, mal wird in seinem Schein musiziert, mal nur gestikuliert. Ein äußerst effektvolles Bild entsteht, vor dem die eher auf Klangfarben setzende Musik etwas blass bleibt. Nach der Pause zwingen technische Probleme zu einer Programmänderung: Statt Stefan Prins’ „Mirror Box“ erklingt zuerst ein Werk von Bernhard Lang mit dem sperrigen Titel „DW23c....loops for Dr. X“. Gar nicht sperrig ist hingegen die Musik: Ideen von Klezmer schwirren herum, überhaupt ist das Ganze recht rhythmisch und im Vergleich zugänglich. Ganz anders das dann doch noch folgende Stück „Mirror Box“: Schrilles Saxofon und vor sich hin knarzender Synthesizer spenden zum Schluss wenig Trost.

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