• Erinnerung an Dusan Makavejev: Der jugoslawische Filmregisseur Dusan Makavejev ist tot

Erinnerung an Dusan Makavejev : Der jugoslawische Filmregisseur Dusan Makavejev ist tot

Der Begründer der „Schwarzen Welle“ stirbt im Alter von 87 Jahren.

Ein Szenenbild aus Dusan Makavejevs bekanntestem Film "WR – Mysterien des Organismus“ von 1970.
Ein Szenenbild aus Dusan Makavejevs bekanntestem Film "WR – Mysterien des Organismus“ von 1970.Foto: Österreichisches Filmmuseum

Der jugoslawisch-serbische Filmregisseur Dusan Makavejev ist am Freitag im Alter von 87 Jahren in Belgrad gestorben. Mit seinen Filmen war Makavejev ein eigenwilliger Vertreter des kritischen Autorenkinos im ehemaligen Jugoslawien. Makavejev wurde in Belgrad geboren, wo er Psychologie studierte. Zunächst drehte er Dokumentarfilme. Mit dem Melodram „Unschuld ohne Schutz“ (1968) gewann er einen Silbernen Bären bei der Berlinale. Internationales Aufsehen erregte er mit dem Skandalfilm „WR – Mysterien des Organismus“ (1970). Das Werk spielt auf den umstrittenen Freud-Schüler Wilhelm Reich (1897-1957) an und ist von der Ansicht durchdrungen, dass sexuelle und politische Befreiung nicht voneinander getrennt werden können. Makavejev arbeitete konsequent mit den Mitteln der Montage und des dokumentarischen Zitats. Dem hohlen Pathos des real existierenden Sozialismus setzte er einen comicstriphaften Sarkasmus entgegen. Die Fetische des Konsumkapitalismus ließ er zu Trash mutieren.
Im kommunistischen Jugoslawien wurde es für den Begründer der „Schwarzen Welle“ bald eng. Der „Mysterien“-Film wurde verboten, dem Regisseur drohte Gefängnis. Anfang der 1970er-Jahre verließ er das Land. 1974 drehte er in Kanada „Sweet Movie“, 1981 in Schweden „Montenegro“ und 1985 in Australien „Coca Cola Kid“. Berühmt-berüchtigt war Makavejev auch als Mitglied der Berlinale-Jury 1970, als er nach dem Rücktritt des Jury-Präsidenten George Stevens, aus Protest gegen Michael Verhoevens Vietnam-Parabel „O.K.“, öffentlich von Zensur sprach. Kurz darauf trat auch die Jury geschlossen zurück, das Festival fand ein vorzeitiges Ende. dpa

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