Fotografien von Heiko Sievers : Grauer Alltag im West-Berlin der Achtziger

Mit dem Auge des Sozialwissenschaftlers: Das Haus am Kleistpark zeigt Berliner Fotografien von Heiko Sievers aus den 1980er Jahren.

Plausch im Pelzmantel. Zwei West-Berliner Damen
Plausch im Pelzmantel. Zwei West-Berliner DamenFoto: Heiko Sievers / Haus am Kleistpark

Menschen in Bahnen. Menschen in Bussen. Menschen an Haltestellen. Das sind grob zusammengefasst die Motive, die Heiko Sievers Anfang der 1980er Jahre in West-Berlin fotografierte. Gut 50 seiner Schwarz-Weiß-Fotografien sind jetzt unter dem Titel „1980. In Berlin“ im Haus am Kleistpark zu sehen.

Sievers startete die Fotoreihe zunächst als privaten Zeitvertreib. Er studierte damals Sozialwissenschaften an der Freien Universität und wollte mit den flüchtigen Momentaufnahmen seines Alltags das Lebensgefühl in West-Berlin einfangen. Zum richtigen Projekt wurde sie erst, als er in Michael Schmidts „Werkstatt für Photographie“ in Kreuzberg aufgenommen wurde. Schmidt und seine Schüler arbeiteten streng dokumentarisch, fotografierten Berlin in Grauschattierungen. Diese manchmal beklemmende, fast schon trostlose Ästhetik prägt auch Sievers Bilder.

Monotonie der Motive

Mit dem Auge des Sozialwissenschaftlers zeigt Sievers typische Verhaltensweisen und Situationen im Mikrokosmos der öffentlichen Verkehrsmittel. Menschen drängen sich in vollen U-Bahnen, blicken bemüht aneinander vorbei oder schielen verstohlen zum Gegenüber, streiten, lachen, schlafen. Auf engstem Raum treffen hier unterschiedliche Schichten, Lebensstile, Emotionen aufeinander. Ältere Damen, mondän im Pelzmantel mit Hut, im Bus, ein Pärchen im Lederjacken-Partnerlook wartend am Bahnsteig, feixende Jugendliche in der U-Bahn – sie alle hält Sievers in seinen Fotos fest. Manchmal wirken seine Aufnahmen dabei fast voyeuristisch, wenn er die Mitfahrenden unbeobachtet von der Seite fotografiert.

Dabei fasziniert Sievers triste Bildsprache durchaus. Doch auch sie kann die Monotonie seiner Motive nicht ausgleichen: Auf Dauer wirkt die inhaltliche Reduktion auf Menschen in Bussen, Bahnen, an Haltestellen ästhetisch und thematisch schlicht ermüdend.

Haus am Kleistpark,Grunewaldstr. 6/7, 10823 Berlin-Schöneberg, bis 9.12., Di-So 11-18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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