Frauenbewegung : Verena Stefan, die Autorin von "Häutungen", ist gestorben

Ihr erstes Buch wurde eine Kultschrift der Frauenbewegung. Jetzt ist Verena Stefan mit 70 Jahren in ihrer Wahlheimat Kanada gestorben.

Die Schriftstellerin Verena Stefan, 1937 - 2017.
Die Schriftstellerin Verena Stefan, 1937 - 2017.Foto: Katrin Simonett/Nagel & Kimche

Gleich ihr erstes, 1975 erschienenes Buch „Häutungen“ wurde eine Kultschrift der Frauenbewegung, ein Manifest in konsequenter Kleinschreibung, Pflichtlektüre in feministischen Germanistikseminaren. Ein Bestseller, der neben der Herrschaftsbeziehung zwischen Mann und Frau auch offen über weibliche Sexualität sprach. Das Buch wurde in acht Sprachen übersetzt: Die gebürtige Schweizerin Verena Stefan erlangte internationale Aufmerksamkeit und traf mit Sätzen wie „Liebe ist eine tausendfache verwechslung von begehrtsein und vergewaltigt werden“ ins Mark der heterosexuellen Welt, wie sie Jahre später der „taz“ sagte.

Die Machtstrukturen zwischen Männern und Frauen, fügte sie hinzu, hätten sich seitdem verfestigt. Der jüngste Skandal um Harvey Weinstein und die sexuellen Übergriffe von etlichen Film- und Medienstars bestätigen ihren Pessimismus.

Verena Stefan kam wegen einer Physiotherapeuten-Ausbildung von ihrer Geburtsstadt Bern nach Berlin. Sie studierte Soziologie und Religionswissenschaft, lernte die Filmemacherin Helke Sander kennen und wurde 1972 Mitbegründerin der Frauengruppe „Brot und Rosen“ - wobei sie sich nie als klassische Achtundsechzigerin sah. „Häutungen“ sollte ihr größter Erfolg bleiben. Sie lebte auf dem Land, befasste sich mit feministischen, ökologischen und auch esoterischen Themen, lehrte Kreatives Schreiben.

Zuletzt schrieb sie über ihren Großvater, einen Arzt, der bei Abtreibungen half

Ende der 90er Jahre zog sie nach Kanada, wo sie unter anderem den Roman „Fremdschläfer“ (2007) über ihre Krebserkrankung schrieb. Zuletzt erschien 2014 ihr Roman „Die Befragung der Zeit“, ebenfalls ein autobiografisches Werk, über die eigene Kindheit und über ihren Großvater, einen Landarzt, der in den 40er Jahren Frauen bei Abtreibungen half und dafür in der Psychiatrie landete (Nagel & Kimche). Am Donnerstag ist Verena Stefan in Montreal gestorben, sie wurde 70 Jahre alt. Tsp

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