Gallery Weekend 2019 : Richard Long und die Kreisläufe der Natur

Land Art: Der britische Künstler Richard Long bewirft die Galeriewände von Konrad Fischer mit Schlamm und formt Steine zum Kreuz.

Angela Hohmann
Seltene Gelegenheit. Richard Long lässt sich kaum fotografieren.
Seltene Gelegenheit. Richard Long lässt sich kaum fotografieren.Foto: Sven Darmer

Die rötlichen Granitsteine, die Richard Long zu einer Bodenarbeit ausgelegt hat, machen sich gut in den neuen Räumen der Galerie Konrad Fischer auf der Fischerinsel. Das ehemalige Umspannwerk mit der Backsteinfassade bringt selbst etwas von der Rohheit der Materialien mit, aus denen Long, einer der prominentesten Künstler der Land Art, seine Kunst schafft. Das aus Granitsteinen gelegte Kreuz umspielt vier asymmetrisch im Raum verteilte Säulen. Halb versteckt unter einem Schlapphut betrachtet der Künstler zufrieden sein Werk. „Die Skulptur füllt den Raum, ohne sich von den Säulen beeinträchtigen zu lassen“, sagt er. Tatsächlich entfaltet die Arbeit eine ungeheure, fast archaische Präsenz.

Normalerweise entsteht Longs Kunst auf Wanderungen durch die Natur. Hier hinterlässt er regelmäßig seine Spuren, in Form von Kreisen, Linien, Spiralen und anderen geometrischen Formen. In der Natur bleiben diese Werke meist unbemerkt. Dokumentiert werden sie nur von Fotografien, einige davon sind bei Konrad Fischer zu sehen. Die Steine des Granitkreuzes stammen aus dem Steinbruch Mittweida bei Chemnitz. Allerdings ist der Künstler diesmal nicht dorthin gewandert, wie Long gesteht: „In diesem Fall habe ich die Steine anhand von Fotografien ausgewählt.“

Als 23-Jähriger erste Einzelausstellung in Düsseldorf

Die zweite Arbeit besteht aus rötlichem Schlamm. Long hat ihn direkt auf die Wand aufgetragen. Mit den Händen gestaltete er nur den oberen Rand, den Rest besorgte die Schwerkraft: Der nasse Schlamm tropfte in eleganten Schlieren, Klecksen und Spritzern nach unten. Bei Long, 1945 bei Bristol geboren, geht es immer um die Natur und ihre Kreisläufe, und ein wenig um ihn selbst. Angefangen hatte es 1967 bei einem Ausflug in das Londoner Umland. Er trampelte durch eine Wiese voller Gänseblümchen und hinterließ eine Linie. „Line Made by Walking“ nannte er das Werk.

Wenig später hatte Richard Long als gerade mal 23-Jähriger seine erste Einzelausstellung in der Konrad Fischer Galerie in Düsseldorf. Nun bespielt er als Erster die neuen Räume.

Bis 27.7., Di-Sa 11-18 Uhr, Konrad Fischer, Neue Grünstr. 12, Kreuzberg

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