Geiger Daniel Lozakovich : Auf dem Weg zum Morgengebet

Glockenreines Geigenspiel und liebliche Tonschönheit: Der Geiger Daniel Lozakovich in der Komischen Oper.

Ainars Rubikis
Ainars RubikisFoto: dpa/Paul Zinken

Seine Karriere hat der Geiger Daniel Lozakovich früh begonnen und im Blütenalter von 15 Jahren einen Exklusivvertrag bei der Deutschen Grammophon unterschrieben. Seitdem ist er als der jüngste Künstler des Yellow Label in der Musikwelt unterwegs. Am 1. April 2001 in Stockholm geboren, konzentriert er sich auf die solistische Violinliteratur, das heißt besonders die Konzerte von Bach, Bruch, Mendelssohn und so weiter. Dazu passt, dass Lozakovich an der Komischen Oper, wo er 2018 mit Tschaikowsky sein verblüffend brillantes Berlin-Debüt gegeben hat, nun das einzige Violinkonzert von Beethoven spielt, das Werk ohne Rivalen unter seinesgleichen.

Die bescheidene Erscheinung des Solisten, knabenhaft gekleidet mit schneeweißem Hemd, fasziniert die Zuhörer durch glockenreines Geigenspiel, das von lieblicher Tonschönheit ist. Der Gesang des Instruments leuchtet bis in die Trillerketten. Erstaunlich, wie absolut wirkungssicher der jugendliche Virtuose seine Kunstfertigkeit einsetzt, auch im Umspielen der Themen Beethovens. Schwingende Klänge, keine Extravaganz. Gern würde man einen Blick in die Zukunft des Musikers und seine selbständige Entwicklung tun. Wieviel Eigenanteil wird seine Interpretationen auszeichnen? Hier jedenfalls herrscht für den 17-Jährigen verdienter Publikumsjubel, der mit einer Bach-Zugabe erwidert wird.

Schroffer Kontrapunkt

Am Pult steht Ainars Rubikis, der neue Generalmusikdirektor der Komischen Oper seit Beginn der Spielzeit 2018/19. Die heterogene Werkauswahl kündigt mit Raritäten an, dass er auch im konzertanten Bereich vieles umfassen will. Mit der Großen Fuge Beethovens Opus 133 legt der Chef seinem Orchester keine Schonkost vor. Zupackend verteidigt er den schroffen Kontrapunkt. Die spürbare Anstrengung der Wiedergabe schadet den Musikern nicht, weil sie eine Komposition charakterisiert, die mit den Mitteln des Barock Zeitgrenzen sprengt.

Ottorino Respighis „Vetrate di chiesa“ (1926) vermitteln, dass Kirchenfenster farbig sind. Jenseits atonaler Entwicklungen der Zeit verbindet die Komposition kirchentonales Erbe mit Einflüssen von Strauss und französischem Impressionismus. Rubikis lässt in den Klangbildern zu Respighis imaginierten Glasfenstern das Orchester schwelgen, wenn werkgemäß der Erzengel Michael im Sturm mit dem Drachen kämpft oder die hl. Klara zur Frühmette geht. Fromme Kantabilität, teils unisono, mit lyrischen Instrumentalsoli verfehlt ihre Wirkung nicht. Und das Publikum in der Komischen Oper ist dem Orchester sehr zugetan.

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