Jesus' Vorhaut ist von beachtlicher Größe.

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Die Beschneidung des Herrn : Das Wunder der göttlichen Vorhaut
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Die in Rom aufbewahrte Vorhaut wiederum, so das Lexikon weiter, habe der Antwerpener Reliquie so große Konkurrenz gemacht, dass deren Klerus verstärkt Reklame für den Eigenbesitz machen musste, wobei zuzugeben war, dass nicht die gesamte Vorhaut Jesu gezeigt werden konnte, sondern nur ein Stück von ihr, wenn auch ein beachtliches (notanda portiuncula). Für die Echtheit des römischen Präputiums hatte sich gar die Nationalheilige Schwedens, die Heilige Birgitta, unter Berufung auf die Gottesmutter Maria selbst verbürgt. „1527 wurde beim Sacco di Roma die römische Reliquie aus der Sancta Sanctorum entwendet (und nach Calcata gebracht), dann aber wiedergefunden und von verschiedenen Päpsten (Sixtus V. 1585, Urban VIII. 1640, Innozenz X. 1647, Alexander VI. 1661, Benedikt XII. 1724) mit Segen und Ablaß versehen, wenn sie sich auch nicht für die Echtheit des Stücks verbürgen wollten.“

Wegen des Spotts der Nicht-Katholiken über die angebliche Reliquie verhängte im Februar 1900 schließlich der Vatikan das bereits thematisierte Sprech- und Schreibverbot über Jesu Vorhaut, unter Strafe des Kirchenbanns. Auch die Fremdenverkehrswerbung durfte sich künftig nicht mehr des Themas annehmen.

112 Jahre sind vergangen, seit das Heilige Offizium – die vatikanische Behörde, die sich heute „Kongregation für den Glauben“ nennt und deren Chef vor seiner Wahl zum Stellvertreter Christi der Deutsche Josef Kardinal Ratzinger war – im Jahre 1900 sein Verbot erließ, Jesu Vorhaut, wenn man so will, in den Mund zu nehmen. Auch die eingangs erwähnte Sitzung, bei welcher das Verbot noch verschärft wurde, liegt inzwischen 58 Jahre zurück. In dieser Zeit hat die Wissenschaft nicht stillgestanden.

Der Amerikaner Willard Frank Libby entwickelte 1946 die Radio-Karbon-Methode, für die er 1960 mit dem Nobelpreis für Chemie geehrt wurde. Sie ermöglicht es, das Alter von kohlenstoffhaltigen Gegenständen mit ausreichender Genauigkeit zu ermitteln.

Mit ihr ließe sich somit feststellen, ob eine jener offenbar noch irgendwo im Dunkel der Heiligen Kirche schlummernden Vorhäute Christi altersmäßig überhaupt annähernd in die Zeit seiner angeblichen Geburt zurückreicht.

Wäre dies der Fall, bliebe noch die Frage offen, ob es tatsächlich das Präputium Jesu ist oder aber eines anderen Erdulders der im Judentum gebotenen „Taufe mit dem Schwert“. Mittels DNA-Analyse wäre zu ermitteln, aus welcher Ecke des Globus das Material mutmaßlich stammt. Käme dafür der Nahe Osten infrage, wäre ein Abgleich mit biologischen Spuren aus dem Trierer „Heiligen Rock“ von Interesse. Ergäben sich auch dabei Übereinstimmungen, gewänne die Sache an Glaubwürdigkeit.

Dies alles jedoch sind natürlich unwahrscheinlich viele Details. Und in denen steckt bekanntlich der Teufel, der den Aufenthaltsort der echten Vorhaut Jesu einstweilen geheim hält.

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