GoGo Penguin, Muzz, Sleaford Mods : Die Pop-Alben der Woche im Soundcheck

Jeden Freitag ab 21 Uhr stellen vier Popkritiker/innen auf Radio Eins die Alben der Woche vor. Diesmal mit GoGo Penguin, Muzz, Sleaford Mods und Friends of Gas.

Sie machen Jazz der etwas anderen Art. Das Trio GoGo Penguin.
Sie machen Jazz der etwas anderen Art. Das Trio GoGo Penguin.Foto: Melt Booking

GoGo Penguin: GoGo Penguin (Blue Note)

Was ist Jazz? fragt man sich wieder mal bei diesen „Radiohead des britischen Jazz“. Das neue Album des Trios aus Manchester mischt Elektronik, Minimal Music, Kratzen und Groove zu, tja, Jazz. Ohne muskelspielende Soli kommt ihre Musik aus. Das macht sie wiederum ziemlich un-jazzig. Dennoch: Ein nervöser, drückender Sound, der nicht loslassen will. Wermutstropfen: Der Sound wirkt manchmal etwas steril. Oliver Schwesig, Deutschlandfunk Kultur

Muzz: Muzz (Matador)

Es muss was raus, bei Paul Banks. Seine Haupt-Band Interpol reicht für den Mitteilungsdrang des Sängers schon länger nicht mehr aus. So gibt es nun mit Muzz ein weiteres Seitenprojekt, das so viel besser ist als all seine anderen Solo-Versuche. Zusammen mit den Freunden Matt Berrick und Josh Kaufman schuf Banks einen intelligenten Erwachsenen-Pop, der seiner Stimme sehr viel Raum für Entfaltung bietet. Die Platte ist vielleicht kein Meisterwerk, aber ganz sicher eine labour of love. Andreas Müller, Moderator:

Sleaford Mods: All That Glue (Rough Trade)

Aus England gibt es seit Jahren nur wenig Appetitliches zu vermelden. Den Soundtrack dazu liefern verlässlich die Grantel-Rapper Sleaford Mods: mit Rumpelbeats und dicker Halsschlagader. Da macht es Sinn, dass zum Corona-Kollaps und dem No-Deal-Showdown eine Retrospektive erscheint. Die fasst noch mal zusammen, warum das Nottingham-Duo die Stimme der Working Class und die Sex Pistols unserer Generation ist. Christine Franz, Regisseurin

Friends of Gas: Kein Wetter (Staatsakt)

Es tut weh, diese mühlradschwere Musik zu hören. E-Gitarren im Gravitationssog der Monotonie, die raue Stimme einer Sängerin, die zu ersticken droht an der Wahl zwischen "Kapital oder Kapitulation" und nirgends das versöhnliche Licht einer Melodie. Mit ihrem zweiten Album hat die fünfköpfige Münchner Band ein krachend aktuelles Lagebild erstellt von dem Riss, der sich Gesellschaft nennt. Jedes Wort ein Angriff. Phänomenal. Kai Müller, Tagesspiegel

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