Hamburg bekommt ein neues Musical : Gut gebrüllt, Möwe

Unfassbare 13 Millionen Menschen haben seit 2001 das Musical "König der Löwen" in Hamburg gesehen. Jetzt gibt es endlich eine Alternative mit Lokalkolorit: Der "König der Möwen".

Foto: picture alliance / Stefan Sauer/

Ein heiserer Schrei gellt derzeit durch Hamburg. Es ist der Kampfruf eines kleinen, unscheinbaren Vogels, der den langmähnigen Champion der Raubtiere zum Duell herausfordert. Am 9. August will „Der König der Möwen“ seinen Siegeszug starten, im Winterhuder Kulturzentrum Kampnagel. Mit dem Titel des Stücks suchen Andreas Dorau, der vor Urzeiten mal mit „Fred vom Jupiter“ einen Neue-Deutsche-Welle-Hit hatte, und der Gründer des „Hanseplatte“-Ladens, Gereon Klug, ganz bewusst die Konfrontation mit dem größten Bühnen-Dauerbrenner, den Deutschlands Musicalhauptstadt zu bieten hat: Unvorstellbare 13 Millionen Menschen sind seit Dezember 2001 zu Disneys „König der Löwen“ gepilgert, ins extra für die Show errichtete Theater gegenüber den Landungsbrücken. Andrew Lloyd Webbers „Cats“, mit denen 1981 der Hamburger Musical-Boom begann, zählte in 15 Jahren Laufzeit lediglich 6,2 Millionen Zuschauer.

So ein richtiges knallhart durchkalkuliertes Kommerzding allerdings streben die beiden Szenegrößen natürlich in Wahrheit gar nicht an. Sie hatten da einfach eine Idee, und weil das Stück keine Nummernrevue geworden ist, haben sie es halt Musical genannt. Es ist die Geschichte vom Plattenladenbesitzer Hans, der zum Leben zu viel und zum Sterben zu wenig hat – bis sich unerwartet das „Hamburg Marketing“ bei ihm meldet. Allerdings missversteht er das Angebot der PR-Leute, und schon bald ist er seinen Laden ganz los. Jetzt hat der König der Möwen seinen Auftritt: Er führt Hans in einen Keller, um ihn dort „die Wahrheit“ erkennen zu lassen. Wie genau die aussieht, verraten die Musicalmacher natürlich erst bei der Premiere. Fünf Aufführungen sind erst einmal angesetzt.

Es könnte Ärger mit dem Urheberrecht drohen

Sollte sich der schrille „König der Möwen“ allerdings wider Erwarten doch zum Langzeiterfolg auswachsen, droht Dorau und Klug vermutlich Urheberrechts-Ungemach: Denn auf die Idee, den Löwenkönig zu verballhornen, sind vor ihnen schon andere gekommen. Bei Youtube beispielsweise findet man ein Video der „sighing socks productions“ aus dem Jahr 2010, in dem Laiendarsteller ein selbst verfasstes mittelalterliches Schauerdrama unter diesem Titel präsentieren. Gildo Horn hat 2002 ein Album mit Seemannsklassikern „König der Möwen“ genannt, und just im April veröffentlichte auch noch der Rostocker Rapper Mac Fly einen Song gleichen Namens.

Sie alle könnten dann etwas vom Tantiemenkuchen abhaben wollen, und zwar nicht nur ein paar Brotkrumen, die man ihnen über die Kaimauer zuwirft. Schließlich steht der Meeresvogel laut Andreas Dorau nicht nur für Freiheit, Unangepasstheit und Hoffnung, sondern auch für Hinterlist, Bösartigkeit und Gier.

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