Hochschule für Musik Hanns Eisler : Wut und Zerbrechlichkeit

Konzertexamen an der Hochschule für Musik Hanns Eisler: ein Harfenist, ein Pianist und eine Cellistin zeigen ihr Können.

Elias Pietsch
Waldesruh. Der Harfenist Joel von Lorber.
Waldesruh. Der Harfenist Joel von Lorber.Foto: joelvonlorber.com

Prüfungen sind selten eine angenehme Angelegenheit. Ob Anspannung oder sogar Angst – die meisten damit verbundenen Emotionen sind negativ. Immerhin sind es die drei Studierenden der Hochschule für Musik Hanns Eisler, die im Konzerthaus am Freitagabend ihr Konzertexamen ablegen, gewohnt, vor Publikum aufzutreten. Man kommt nicht zur Konzertreife, ohne vorher Bühnenerfahrung gesammelt zu haben. Alle drei haben ein Stück vorbereitet. Begleitet werden sie vom Konzerthausorchester, die Leitung übernehmen die drei Dirigierstudierenden Xingyu Hu, Jeongwoo Choi und Tatsuma Takahashi.

Den Anfang macht der Schweizer Harfenist Joel von Lerber mit dem Harfenkonzert des argentinischen Komponisten Alberto Ginastera. Die Harfe als Soloinstrument bekommt man selten zu hören. Zu Anfang ahnt man auch den Grund: Gegen ein großes Orchester kann sich das Instrument zu oft nicht durchsetzen. Zum Glück hat Ginasteras Werk viele rein solistische Parts. Oft typisch verträumt klingt das Instrument, aber auch blitzschnelle Läufe und ein ruppiger Anschlag zeichnen von Lerbers Spiel aus, der seiner Harfe eine faszinierende Bandbreite an Klangfarben entlockt.

Die Schweizer Cellistin Sayaka Selina Studer spielt Dmitri Schostakowitschs erstes Cellokonzert in einer ungemein kraftvollen, fast schon wütenden Interpretation. Mit Leidenschaft bearbeitet sie ihr Instrument, kann aber auch anders: Die Flageoletttöne im zweiten Satz spielt sie zart und gibt der Passage eine zerbrechliche Schönheit.

Zum Abschluss bietet der russische Pianist Nikita Volov mit dem ersten Klavierkonzert von Piotr Iljitsch Tschaikowski die wohl kompletteste Interpretation dieses Abends - schwindelerregend virtuos und klanggewaltig Wiederhören wird man diese drei jungen Musiker wohl mit einem Abschluss in der Tasche.

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