
© Fatih Kurceren
Johan Simons und Jens Harzer: Das eingespielte Duo zeigt Antigone in Berlin
Der Regisseur Johan Simons inszeniert Sophokles’ Tragödie „Antigone“ am Berliner Ensemble. Ein Gespräch über die Zusammenarbeit mit Harzer, die Alten Griechen und die Intention seiner Inszenierung.
Stand:
Wer war eigentlich zuerst da: Jens Harzer, der seit dieser Saison fest am Berliner Ensemble spielt? Oder der Regisseur Johan Simons, der erstmals wieder in Berlin arbeitet und „Antigone“ inszeniert?
„Als Jens Harzer wechselte, hat mich das Theater ebenfalls gefragt“, erzählt Johan Simons. Hand in Hand ging das.
Den Regisseur und den Schauspieler verbindet eine langjährige, sehr intensive Zusammenarbeit, vor allem am Bochumer Schauspielhaus, das Simons noch bis zum Sommer leitet. Kein Wunder, dass beide im Tandem weitermachen.
Johan Simons zählt als Regisseur zu den Großen. Acht Mal wurden seine Inszenierungen bisher zum Theatertreffen eingeladen. Zuletzt 2024 der Bochumer „Macbeth“, in dem dabei war: Jens Harzer. Simons mag denkende, interpretierende Schauspieler, die Eigenverantwortung für eine Figur übernehmen.
„Jens ist intensiv und das finde ich eine Riesen-Qualität. Er ist auch immer auf der Suche nach etwas Neuem, nach dem noch Ungesagten. Wir kennen einander inzwischen sehr gut. Und wir möchten beide auch immer weiterkommen“, erzählt er.
Auch mit Sandra Hüller hat er gearbeitet, die auf ihre besondere Weise den Gedanken- und Assoziationsraum füllt, den er immer lässt. Man dachte auch da sofort, dass sich zwei gefunden haben.
Im Gespräch mit ihm fällt irgendwann auch der Begriff „denkende Körper“. Daran erkennt man, dass er in seinen Anfängen Tänzer und Schauspieler war, dann erst mit der Regie anfing.

© Joerg Brueggemann / OSTKREUZ
In seinen Inszenierungen kommt viel zusammen, auch durch seine langjährige Erfahrung. Dass er jetzt „Antigone“ von Sophokles inszeniert, ist eine bewusste Entscheidung und hängt mit seiner langen Beschäftigung mit den griechischen Tragödien zusammen.
„Ich habe schon andere griechische Stücke inszeniert. Es gibt viele Gründe, warum mich diese Geschichten faszinieren. Die Welt der Griechen ist eine ganz andere. Das Erzählte hat eine unfassbare Relevanz.“
Simons bringt „Antigone“ mit drei Schauspielern auf die Bühne: Neben Harzer noch Constanze Becker und Kathleen Morgeneyer. Drei waren es auch in „Macbeth“. Ist eine Dreier-Konstellation dramaturgisch eine besondere Kombination?
„Eher Zufall“, findet Simons. Viel wichtiger ist für den Abend, dass man die ganze Vorgeschichte spüren soll: Von Ödipus, der entdeckt, dass er nicht nur Iokastes Liebhaber, sondern auch ihr Sohn ist, und wie das einstige Glück in großes Unglück umschlägt.
Antigone wird derzeit oft als Rebellin gesehen, die sich gegen die Männerwelt wehrt. Simons geht es um das Schicksal aller.
„Wir haben uns diese vielschichtige Familiengeschichte angeschaut und uns gefragt: Wie konnte es so weit kommen? Nun ist da Kreon, der zweifelnde oder verzweifelte neue Herrscher, der das Kriegschaos wieder aufräumen muss. Antigone und Ismene sind ja eigentlich Kinder, die dennoch auch ihre Zweifel haben an dem, was vorgeht. Es gibt in dieser sehr traumatischen und durchaus politischen Geschichte viele Fragen.“
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Am Ende soll sich zeigen, dass man im Leben immer eine Wahl hat, egal ob man gut oder böse ist, so Simons. Aber belehrend würde jemand wie er niemals werden, Assoziationsräume sollen sich öffnen, darum geht es ihm.
Früher dachte man immer, dass die Schauspieler bei ihm sehr geerdet dastehen, fast wie im Dreck oder Morast. Seine Inszenierungen sind mittlerweile spielerischer und offener geworden.
Und trotz seiner großen Erfolge blickt der 79-Jährige nach vorne und hat aus seiner Sicht noch längst nicht alles erreicht. „Ich denke immer noch, meine beste Inszenierung kommt noch. Ich denke das wirklich. Ich muss das auch denken, denn sonst müsste ich aufhören.“
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