Konzerthausorchester : Starke Frauen trauern nicht

Die südafrikanische Sopranistin Golda Schultz begeistert mit Mozart und Beethoven, am Pult des Konzerthausorchesters steht Riccardo Minasi.

Elias Pietsch
Golda Schultz
Golda SchultzFoto: promo

Zwei Debütanten betreten am Samstagabend die Bühne des Konzerthauses am Gendarmenmarkt: der Dirigent Riccardo Minasi und die Sopranistin Golda Schultz. Und weil man beim Debüt erst mal zeigen möchte, dass man das klassische Repertoire beherrscht, stehen auf dem Programm Werke von Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven und Wolfgang Amadeus Mozart.

Im Mittelpunkt des Abends stehen dabei Konzertarien der bei den Letztgenannten – und damit auch die 34-jährige Golda Schultz. Die in Südafrika geborene Sängerin hat eine volle, unglaublich warme Stimme, die vor allem auch in den tieferen Tonlagen berührt. Ohne große Gesten kommt ihr Vortrag aus, trotzdem beeindruckt sie mit einer starken Bühnenpräsenz.

Im guten Sinne schnörkellos und direkt gerät Schultz’ Interpretation von Beethovens Arie „Ah, perfido!“. Das Konzerthausorchester unterstützt ihren kraftvollen Gesang dabei mit feingliedrigem Spiel, Golda Schultz gelingt es, die in der Arie anklingenden widersprüchlichen Gefühle von Wut und Verzweiflung gleichermaßen in ihre Stimme zu legen.

In Mozarts Konzertarien „Vado, ma dove“ und „Misera, dove son“ treten verzweifelte Frauen auf – Golda Schultz’ Sopran aber strotzt dabei nur so von Selbstbewusstsein. In ihrer Interpretation wird so das ewige Narrativ von der Frau, die in der Arie den Himmel um Hilfe anruft, umgekehrt zu einer energischen Anklage.

Minasi hält bei Haydns Sinfonie Nr. 88 die Spannung bis zum Schluss

Aber auch das Konzerthausorchester darf an diesem Abend glänzen, in den Sinfonien von Haydn und Mozart, die den Rahmen bilden für die Arien. Vor allem die einleitende Sinfonie Nr. 88 von Joseph Haydn überzeugt durch große rhythmische Klarheit. Riccardo Minasi leitet das Orchester mit großer Präzision in der Dynamik. Er lässt die Musik atmen, betont die Pausen und die kleinen stillen Passagen, hält so die Spannung bis zum Schluss aufrecht.

Den Abend beschließt Mozarts „Jupiter“-Sinfonie. Der dem Werk erst nachträglich gegebene Name will an diesem Abend nicht recht passen: Denn wenig majestätisch kommt das Stück in Minasis Interpretation daher. Die noch bei Haydn so effektvoll gesetzten dynamischen Kontraste werden hier eher vernachlässigt, zudem klingen manche Geigenläufe leicht hektisch.

Am Ende des Abends wünscht man sich vor allem eines: Mehr von der wunderbaren Golda Schultz zu hören. Am 21. Juni 2019 wird es so weit sein, dann gibt die Südafrikanerin einen Liederabend im Pierre Boulez Saal.

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