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Clara Riedenstein (als Titelheldin) und Marcello Urgeghe (als Burgherr) flirten in "A Portuguesa".
© Basilisco Filmes

„A Portuguesa“ im Berlinale-Forum: Kultiviertes Mittelalter

Die Portugiesin Rita Azevedo Gomes hat eine kleine Erzählung von Robert Musil mit dem Titel „Die Portugiesin“ auf zweieinviertel Stunden Kinolänge gebracht.

Viele elegante, stille Bilder. Die Männer dunkelbärtig und stolz, die Frauen madonnenhaft und elegisch, alle in kostbaren Wämsern. Samt und Seide, Mittelalter. Drinnen und um eine Burg herum buntes Volk, Diener, Hellebarden- und Fahnenträger, man schießt mit der Armbrust und führt einen Falken. So hat die Portugiesin Rita Azevedo Gomes eine 1924 erschienene kleine Erzählung von Robert Musil mit dem Titel „Die Portugiesin“ auf zweieinviertel Stunden Kinolänge gebracht.

Bei Musil freit ein Südtiroler Burgherr mit dem sprechenden Namen von Ketten eine fremde ferne Frau. Eben aus Portugal. Interessant ist, wie die junge Namenlose in der für sie nördlichen Bergwelt zwischen Brixen und Trient, in der ihr Gatte im Krieg liegt mit dem Trentiner Bischof, sich eigensinnig einrichtet. Als Ihr Mann einen von ihr aufgezogenen jungen Wolf erschießen lässt, stockt ihr das Herz. Dann aber lacht sie und sagt: „Ich werde mir eine Haube aus dem Fell machen lassen und dir nachts das Blut aussaugen.“

Es liegt ein spukhafter Schleier über dieser Welt, der im Film freilich zur Dekoration und theaterhaft musealen Folklore verkommt. Die rotblonde Clara Riedenstein als Portugiesin und Marcello Urghege als Burgherr bleiben steif und die Inszenierung zelebriert mit ihren vielen starren Tableaux eine hoch kultivierte Langeweile. Und weil alles offenbar nur in Portugal gedreht ist, unter Oliven, entfällt auch der zugrunde liegende Nord-Südkonflikt. Einziges Irrlicht: Ingrid Caven singt zwischendrein ein paar altfranzösische Troubadourlieder.

8.2., 18 Uhr (Cinestar 8), 9.2., 13 Uhr (Delphi), 12. 2. 13.45 Uhr (Cinestar8), 17.2., 20 Uhr (Cubix 9)

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