Kunst-Debatte auf der re:publica : Künstlerische Intelligenz

Digitale Gesellschaft und Künstliche Intelligenz: Auf der re:publica wird die Kreativität von Maschinen verhandelt.

Alexandra Ketterer
Künstler diskutieren über KI. Christian von Borries, Diana Alina Serbanescu, Andreas Dzialocha, Lena Kadriye Ziyal (von links).
Künstler diskutieren über KI. Christian von Borries, Diana Alina Serbanescu, Andreas Dzialocha, Lena Kadriye Ziyal (von links).Foto: Jan Zappner/re:publica

Sind künstliche Intelligenzen die besseren Künstler*Innen? Andreas Dzialocha, Teil des Künstlerkollektivs „Ai-Unit“ berichtet von dem Projekt „Land der Musik- The Graz Al Score“, indem die Arbeitsweise eines Computers hörbar wird. Eine künstliche Intelligenz, kurz KI,  arrangiert die Walzer von Johann Strauss und Gustav Mahlers Sinfonien neu. Für seinen Partner Christian von Borries liegt die Stärke ihrer KI-Kunst im Moment der Störung, die den Erfahrungsraum von Orchester und Publikum erweitert. Von Berufsmusiker*innen wurden die neuen Werke analog eingespielt, über die emotionalen Absichten der Maschine konnten sie nur spekulieren. 

Wir müssen reden, AI

Auf der re:publica 19, der Konferenz rund um netzpolitische Themen und die digitale Gesellschaft, spielt auch die Kunst eine große Rolle. Kunstschaffende und Wissenschaftler*Innen verhandeln, wie sie dem Misstrauen gegenüber der Maschine entgegenwirken können. Diana Alina Serbanescu, Performencekünstlerin und Forscherin des Weizenbaum Instituts, sieht die Stärke der Künstlichen Intelligenz eher darin, Muster zu erkennen, die den Menschen das eigene Verhalten widerspiegeln. Mit dem Anspruch, die Thematik niedrigschwellig zu vermitteln, geben die Illustratorin Lena Kadriye Ziyal und die Datenspezialistin Julia Schneider ihr Comic-Essay “We need to talk, AI” zum freien Download und zu eigener Verwertung frei.

Roboter im Museum 

Kritischer geht Joana Zylinska der Frage nach, wie kreativ Algorithmen denn tatsächlich sein können. „Roboter-Kunstwerke” sind längst in Museen und Kunstmessen angekommen, doch die Referentin der re:publica19 ist vom Großteil der KI-Kunstwerken ernüchtert. Viele Kunstwerke loten neue Möglichkeiten aus, doch in den meisten Fällen ist der Prozess der Werkentstehung interessanter, als das entstandene Kunstwerk an sich. Zylinska ist Professorin für Neue Medien und Kommunikation an der Goldsmith University of London, dazu arbeitet sie als Fotomedienkünstlerin und Autorin. Sie plädiert dazu von den Extrempolen „Mensch versus Maschine“ abzurücken, um die berechnete Kunst der KIs mit der menschlichen Intuition als verwobenes System zu verstehen. Auch fordert sie auf, hinter die Kulissen der neuen Mainstream-Kunst zu blicken. Mit der augenscheinlich konsumkritischen Kunst wirbt nicht selten ein Sponsor aus dem Silicon Valley.  

Fotos nicht für Menschen

Doch manche KI-Kunst ragt aus der Menge heraus und schafft es, bisher unerkannte gesellschaftliche Veränderungen des digitalen Zeitalters auf besondere Art erfahrbar zu machen. Solche Werke findet Zylinska in der Kunst des Fotokünstlers Trevor Paglen. Er konzentriert sich auf Fotos, die weder von noch für Menschen produziert werden. Wie sehen sich Computer Fotografien an? Was bedeutet die Autorenschaft für das Kunstwerk und für unser Kunstverständnis? Die Relevanz der KI- Kunst setzt sich für Zylinska aus den Fragen zusammen, die sie aufwerfen.

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