Kunstsammlerin plant Abzug aus Berlin : Kultursenator will mit Julia Stoschek reden

Julia Stoschek hat angekündigt, ihre Dependance in Berlin zu schließen - unter anderem wegen zu hoher Miete. Klaus Lederer sucht nun das Gespräch.

Spezialisiert auf Videokunst. Sammlerin Julia Stoschek.
Spezialisiert auf Videokunst. Sammlerin Julia Stoschek.Foto: Matthias Balk/dpa

Ziemlich sauer reagierte Kultursenator Klaus Lederer, als ihn der CDU-Politiker Robbin Juhnke im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses auf die Kunstsammlerin Julia Stoschek ansprach.

Die Sammlerin hatte mit dem Abzug ihrer Videokunstsammlung aus Berlin gedroht und dies unter anderem mit einer „saftigen“ Mietsteigerung für die Räume des ehemaligen tschechischen Kulturzentrums in Mitte begründet, wo sie ihre Werke zeigt. Und mit einer mangelnden Wertschätzung ihres Engagements seitens der zuständigen Kulturpolitiker. Das wollte Lederer so nicht auf sich sitzen lassen.

Er sei in den vergangenen Jahren wiederholt in der Stoschek Collection gewesen, betonte er. Außerdem habe er unmittelbar nach Bekanntwerden der Abwanderungspläne versucht, mit der Sammlerin Kontakt aufzunehmen.

Diese habe aber zunächst weder auf seinen Anruf noch auf eine SMS und auch nicht auf eine Mail reagiert. Inzwischen sei eine Verbindung hergestellt und man versuche, zeitnah einen Gesprächstermin zu finden, so Lederer.

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Die Nettokaltmiete für die in Bundesbesitz befindliche Immobilie lag bis zum Jahr 2019 übrigens bei 1,66 Euro pro Quadratmeter, wie „Die Zeit“ recherchiert hat. Seit vergangenem Jahr muss die schwerreiche Erbin aus der Coburger Autozulieferer-Dynastie Brose 2,78 Euro pro Quadratmeter berappen. Ab 2021 droht eine Erhöhung um weitere 73 Cent.

Richtig gut scheint sich die seit 2016 in Berlin präsente Sammlerin in der hiesigen Kulturszene noch nicht auszukennen.

Dem Tagesspiegel sagte sie über ihr Privatmuseum, es gebe in der Stadt „keine vergleichbare Institution, die sich mit Medienkunst auseinandersetzt“.

Tatsache aber ist auch, dass der Neue Berliner Kunstverein bereits seit 50 Jahren Video- und Medienkunst sammelt und mittlerweile 1700 Werke nationaler wie internationaler Künstler besitzt. In Stoscheks Sammlung befinden sich gut 700 Werke.

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