„L’ Animale“ im Panorama : Von Disko zu Disko

Schule des Lebens: Katharina Muecksteins eindringlicher Coming-of-Age-Film „L’ Animale“ im Panorama zeigt die Selbstsuche einer jungen Frau.

Jonas Lages
Auf dem Absprung aus der Provinz. Sophie Stockinger als Mati.
Auf dem Absprung aus der Provinz. Sophie Stockinger als Mati.Foto: NGF/LBF

Mati steht vor dem Spiegel und sieht sich in einem pfirsichfarbenen Kleid. „Ich sehe aus, wie ein Clown“, sagt sie. Zum Verlieben, findet dagegen ihre Mutter. Katharina Muecksteins Film „L'Animale“ wird von Beginn an bestimmt durch die Diskrepanz von Selbstbild und Fremdwahrnehmung, den eigenen Wünschen und den Erwartungen der Anderen.

Mati steht in dem Film kurz vor der Matura und dem Absprung aus der Provinz nach Wien. Ihre Freunde sind alles Jungs, deren Horizont mit dem Ortsschild ihrer Kleinstadt endet. Die Illusion der eigenen Unverwundbarkeit haben sie noch nicht verloren. Doch Matis Loyalität zu ihren Jungs wird auf die Probe gestellt. Ihr bester Kumpel will mehr als ihr Freund sein. Und dann ist da dieses Mädchen mit blonden Locken und blauen Augen. Sie heißt Carla, lebt allein und erwartet nichts von der Welt. Sanft kommen sich die jungen Frauen näher. Und die Erwachsenen haben es auch nicht leicht: Matis Vater steht heimlich auf Männer. Als seine Frau das herausfindet, kommt es zu einer Ehekrise.

Rastlos und mit einem feinen Gefühl für soziale Zwänge widmet sich „L'Animale“ der Frage, wie man zum Autor seines Lebens wird. Indem Katharina Mueckstein eine Tochter und ihren Vater zu Hauptfiguren macht, entsteht ein generationsübergreifendes Panorama der verschwiegenen Suche nach dem Selbst. Eindringlich zeigt der Film, wie der Erwartungsdruck der Schule, wie Familie und Freunde über Mati einbrechen. Und selten hat jemand die Tristesse einer Dorfdisko so liebevoll eingefangen wie Mueckstein.

19.2., 9:30 Uhr (CinemaxX 7), 20.2., 14:30 Uhr (Cubix 9); 24.2., 19 Uhr (Zoo Palast 1); 25.2., 17 Uhr (HKW)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben