Landesjugendorchester im Konzerthaus : Auf Zehenspitzen spielen

Ein anspruchsvolles Programm von Mozart über Korngold: Das Landesjugendorchester Berlin unter der Leitung von Evan Christ im Konzerthaus.

Evan Christ, bis vergangenes Jahr Musikchef in Cottbus.
Evan Christ, bis vergangenes Jahr Musikchef in Cottbus.Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Es ist ein überaus anspruchsvolles Programm, mit dem die Musikerinnen und Musiker des Landesjugendorchesters Berlin den ersten Teil ihrer Osterferien verbracht haben. Das Frühjahrsprobenpensum für den musikalischen Nachwuchs zwischen 14 und 21 Jahren spannt sich von Mozart über Korngold bis hin zu Mahler auf. Dabei immer einen eigenen Ton zu finden, in dem die Seele der Werke spürbar wird, ist ein ambitioniertes Unterfangen. Für Evan Christ, bis vergangenes Jahr Musikchef in Cottbus, gehören herausfordernde Programme zur persönlichen Visitenkarte. In diesem Falle aber hat das Orchestermanagement die Werke zusammengestellt.

Wenn vom Dirigenten allerdings im Konzert andauernd der Kurs korrigiert werden muss, kann man musikalisch nur schwer abheben. Ohne dieses Erlebnis aber fehlt ein wesentliches Element gemeinsamen Musizierens. Dass Christ bei Mozart auf schlanke Gestalt und lebhafte Tempi setzt, lässt sich noch am besten nachvollziehen. Auch die Stimmungsumschwünge in der Ouvertüre zur „Entführung aus dem Serail“ sitzen. Doch darauf folgen sogleich zwei Konzertarien mit jungen Studierenden der Eisler-Hochschule. Statt Klangrausch also auf Zehenspitzen spielen, denn die Stimmen von Brynhildur Thorsdottir und Michael Kim sind zart, haben noch keinerlei Hornhaut angesetzt. Korngolds süffiges „Thema und Variationen“, dass der Komponist in bester Filmmanier für Schulorchester schrieb, bietet nun endlich harmonische Üppigkeit, die sich aber durch vertrackte Tempi kämpfen muss.

Mahlers „Fünf Lieder auf Gedichte von Friedrich Rückert“ sind derart ausgespart instrumentiert, dass sie ohne hochvirtuose Holz- wie Blechbläser beständig aus ihrer ohnehin fragilen Balance purzeln. Das Orchester und Bariton Oliver Boyd musizieren so langsam, dass der Spannungsabriss droht. Schließlich wuchtet das Adagio der Zehnten die Tore zu einer anderen Welt auf. Vorher hätte man mehr jugendliche Entdeckungen im Diesseits hören wollen.

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