Martin Grubinger in der Philharmonie : Körpermusik

Bratzige Bläser und krachende Rhythmen: Der Österreicher Schlagzeug-Solist Martin Grubinger spielt mit dem Sydney Symphony Orchestra in der Philharmonie.

Elias Pietsch

Der Schlagzeuger gewöhnlich ein Schattendasein im Klassikbetrieb – auf seinem Posten ganz hinten auf der Konzertbühne. Beim Berlin-Gastspiel des Sydney Symphony Orchestra ist das anders. Denn die Australier haben das 2. Konzert für Schlagzeug und Orchester des Schotten James MacMillan in der Philharmonie mitgebracht, das den Perkussionisten sowohl klanglich als auch räumlich in den Vordergrund stellt.

Den Solist an den vielfältigen Schlaginstrumenten ist in diesem Fall der Österreicher Martin Grubinger ein. Breitbeinig und schnaufend steht er da und lässt keinen Zweifel daran, wer hier der Star ist. Sein äußerst selbstbewusstes Auftreten weiß er jedoch durch sein Können zu rechtfertigen, und das sowohl musikalisch wie konditionell. Hin und her geht es, zwischen Cowbells und Toms, von der Marimba zum Vibraphon, und das in atemberaubender Geschwindigkeit. Verspielt und krachend intensiv interpretiert er MacMillans vielschichtiges Werk.

Bei Beethoven gibt sich die Musik tänzerisch

Ähnlich athletisch wie Grubinger geht auch Dirigent David Robertson seine Arbeit an. Mit vollem Körpereinsatz wirft er sich in die komplexen Rhythmen des Stücks, übersetzt sie sehr anschaulich für die Musikerinnen und Musiker aus Sydney. Die danken es ihm unter anderem mit schön bratzigen Bläsern. Ihre eigenen Perkussionisten stehen Grubinger in Sachen Virtuosität übrigens in nichts nach.

Nach der Pause folgt ein ungleich älteres Stück, das jedoch ebenfalls einen starken Fokus auf Rhythmus als gestaltendes Element hat. Ludwig van Beethovens 7. Sinfonie hält das von MacMillans Stück gesetzte Level an Intensität mühelos aufrecht. Den berühmten zweiten Satz mit seinem feierlich-schreitendem Rhythmus nimmt David Robertson ungewöhnlich zügig: Die Musik kommt hier nicht langsam trauernd daher, sondern gibt sich tänzerisch, ohne dass dabei jedoch der düstere Charakter des Allegretto verloren ginge.

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