Marx-Jubiläumssaustellungen in Trier : Marx zum Letzten

Die Römerstadt Trier hoffte bei den Ausstellungen zu Karl Marx' 200. Geburtstag auf einen Blockbuster-Erfolg. Und auf ein etwas anderes Image. Vergeblich.

Staatsgeschenk. Wu Weishans Bronze-Marx in Trier, hinter dem Simeonstift.
Staatsgeschenk. Wu Weishans Bronze-Marx in Trier, hinter dem Simeonstift.Foto: dpa/Harald Tittel

Was für eine Aufregung war das in Trier, als China der Römerstadt eine Karl-Marx-Statue schenkte. Und als das Werk des Staatskünstlers Wu Weishan dann pünktlich zur Eröffnung der Marx-Jubiläumsausstellungen am 5. Mai dieses Jahres der Öffentlichkeit übergeben wurde. Ein von viel Palaver, Polizei und Protesten etwa von Seiten der Opferverbände begleiteter Festakt, mitten in der sonst so beschaulichen Moselstadt. Tempi passati. Längst blickt der Mega-Marx leicht amüsiert von seinem Sockel vor der Backsteinbrandmauer des Simeonstifts unweit der Porta Nigra herunter, friedlich umringt von Schaulustigen.

An diesem Sonntag endete nach 147 Tagen das ehrgeizige Projekt, Karl Marx zu dessen 200. Geburtstag mit drei Ausstellungen an vier Orten und 300 Veranstaltungen – mit einer Mega-Enttäuschung. Nur 160 000 Museumsbesucher in knapp fünf Monaten, das ist herzlich wenig im Vergleich zu den anderen, von mehreren Häusern gemeinsam veranstalteten Blockbuster-Ausstellungen, mit denen die geschichtsträchtige Provinzstadt überregional von sich reden machte. Die erste konzertierte Museumsaktion zu Kaiser Konstantin hatte 2007 überraschend 350 000 Besucher angelockt. Die zweite XXL-Schau zu „Nero – Kaiser, Künstler und Tyrann“ im Jahr 2016, lockte stattliche 270 000 Besucher. Was eigentlich noch überraschender war, einer wie Nero galt bis dahin nicht gerade als populär. Der Philosoph mit dem Rauschebart, der mit Abstand berühmteste jüngere Sohn der Stadt, sieht dagegen jetzt blass aus.

Na ja, wenigstens machen jetzt alle ein Selfie mit dem Bronze-Marx

Liegt’s am Kommunismus, der in der Bischofsstadt Trier vielleicht doch keine Chance zur Massentauglichkeit hat? Nicht doch, sogar das Bischofsmuseum war mit einer Schau zu Arbeitswelt und Arbeitswert an den Marx-Festivitäten beteiligt. Der vergleichsweise geringe Andrang ist wohl eher dem Umstand geschuldet, dass sich am Image einer altehrwürdigen Stadt wie Trier offenbar so schnell doch nicht rütteln lässt.

Spaß muss sein. Die Trier Tourismus und Marketing GmbH brachte zum Marx-Jubiläum auch Null-Euro-Scheine heraus.
Spaß muss sein. Die Trier Tourismus und Marketing GmbH brachte zum Marx-Jubiläum auch Null-Euro-Scheine heraus.Foto: dpa/Harald Tittel

Trier, das ist Antike - und basta. Augusta Treverorum mit Porta und Amphitheater, Kaiserthermen und Konstantinbasalika, achtfaches Weltkulturerbe mit tollen toten Steinen. Deshalb kommen die Leute hierher. Da ist der Revoluzzer Marx einfach nicht Ruine genug. Es sei gelungen, politische Aufklärungsarbeit zu leisten und Berührungsängste bei dem „schwierigen, polarisierenden“ Thema abzubauen, trösten sich die Veranstalter. Stimmt schon, alle nehmen jetzt ein Selfie mit vom überlebensgroßen Bronze-Marx oder eine Reisegruppenfoto. Die Trierer, die Jugend, die Touristen aus dem Reich der Mitte. Sooo riesig ist er mit seinen gut fünf Metern dann auch wieder nicht.

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