Opernverbot in Minsk : Orthodoxe Aktivisten kämpfen gegen “Salome”

Weil sie Richard Strauss' Oper für gotteslästerlich halten, verbitten sie sich deren Aufführung.

Liudmila Kotlyarova
Es geht wieder um die Beleidigung der religiösen Gefühle der Gläubigen.
Es geht wieder um die Beleidigung der religiösen Gefühle der Gläubigen.Foto: bolshoibelarus.by

Am 9. September sollte am größten Theater Weißrusslands, dem Bolschoi in Minsk, eine Neuinszenierung von Richard Strauss' Oper "Salome" Premiere haben. Doch am Vorabend wurde sie durch eine Entscheidung des weißrussischen Kulturministeriums abgesagt. Grund dafür ist ein Brief, unterschrieben von zahlreichen orthodoxen Aktivisten, an den Präsidenten, die Staatsanwalt und den heiligen Synod der russisch-orthodoxen Kirche. Darin heißt es "Wir lassen nicht religiöse Gefühle der orthodoxen Bürger Weißrusslands verletzen, das Andenken an Johannes den Täufer verhöhnen und verbitten uns darum die Aufführung der Oper "Salome"." In dem Brief riefen sie die Verantwortlichen dazu auf, "korrigierende Anpassungen in der Staatsideologie und der Arbeit des Kulturministeriums vorzunehmen" und ähnliche "Meisterwerke", die geistige Sicherheit und Einheit der Nation bedrohen, zu verbieten. Dem Brief legten sie eine "kulturelle Studie" bei, in der die Oper als "Blasphemie" bezeichnet wird, die Handlung als "antichristlich" und "Beleidigung der religiösen Gefühle der Gläubigen". Sie sprechen sogar von einer Straftat und fordern eine Bestrafung des Chefregisseurs Michail Pandzhavidze, da der Komponist Richard Strauß und Autor des Dramas Oscar Wilde schon längst tot sind.

Daraufhin wurde ein Expertenausschuss aus Künstlern und Geistlichen einberufen, das die Oper von den Vorwürfen freisprachen und zur Aufführung empfahlen. Doch für das Kulturministerium reichte das Urteil nicht aus. Es sperrte trotzdem die Oper bis Ende Oktober, in der Hoffnung, dass sich alle orthodoxen Aufregungen bis dahin beruhigen. Am 11. September erinnern die orthodoxen Christen an die Enthauptung Johannes’ des Täufers.

2015 machten “die verletzten religiösen Gefühle” auch im russischen Nowosibirsk viel Lärm - damals ging es um die Regie von Timofej Kuljabin von Richard Wagners “Tannhäuser”. Das führten sogar zum Rausschmiss des Theaterintendanten. In Minsk klagen radikale orthodoxe Aktivisten nun nicht einmal die Regie an, sondern die Oper selbst. Und eine weltliche Institution wie das Kulturministerium gibt nach.

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