Rechtsstreit um Grundstück an der Komischen Oper : Jetzt muss Karlsruhe entscheiden

An der Glinkastraße soll ein Anbau für die Komische Oper entstehen. Doch der unterlegene Investor will bis zum bitteren Ende vor Gericht weiter kämpfen.

Linkerhand vom Haupteingang der Komischen Oper soll der Anbau entstehen.
Linkerhand vom Haupteingang der Komischen Oper soll der Anbau entstehen.Foto: Gunnar Geller

Der Rechtsstreit um ein Areal an der Glinkastraße in Berlin-Mitte, auf dem ein Anbau für die Komische Oper entstehen soll, geht in die nächste Phase. Seit Jahren streiten das Land Berlin und der Investor IVG um das Filetgrundstück direkt neben dem Musiktheater, das Berlin im Jahr 2000 an die „Grundbesitz Investitionsgesellschaft Lindengalerie GmbH & Co KG“ verkauft hatte. Anders als angekündigt kam es dort 14 Jahre lang nicht zu Bautätigkeiten. Darum trat Berlin wieder vom Kaufvertrag zurück – wogegen der Investor klagte. Er verlor in erster Instanz; auch die Berufung gegen dieses Urteil wurde Anfang März vom Kammergericht zurückgewiesen. Als letztes Rechtsmittel blieb dem Investor nur das Mittel einer Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof.

Wie die im Rechtsstreit federführenden Finanzverwaltung jetzt auf Tagesspiegel-Nachfrage bestätigte, hat sich die Immobilien-Holding IVG mit Sitz in Bonn tatsächlich dazu entschlossen, den Rechtsweg bis zum bitteren Ende zu gehen. Was dieser Schritt für die dringend notwendige Generalsanierung der Komischen Oper bedeute, „lässt sich zeitlich nur grob schätzen“, heißt es von der Pressestelle des Finanzsenators: Die Verzögerung könne „ein halbes Jahr, ein Jahr oder gar mehr“ betragen. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass der BGH die Nichtzulassungsbeschwerde annimmt. Darüber muss in Karlsruhe nun beraten werden.

Derzeit läuft der Architektenwettbewerb für die 227 Millionen Euro teure Sanierung samt Neubau an der Glinkastraße. Dabei sollen drei zeitliche Ebenen der Gebäudegeschichte sichtbar gemacht werden. Da ist zum einen der historische Saal des einstigen Metropoltheaters im Stil des Neo-Rokoko aus dem Jahr 1892, der den Krieg überstanden hat. Da sind andererseits die neuen Foyers und die moderne Fassade des Hauses, die aus den 60er Jahren stammen und nach den Vorgaben des Denkmalschutzes in den Originalzustand zurückversetzt werden sollen. Der Neubau an der Glinkastraße schließlich soll für die Komische Oper des 21. Jahrhunderts stehen: Hier wird es neben Probensälen und Büros eine öffentlich zugängliche Kantine geben, eine Vorverkaufskasse an der Ecke Unter den Linden, Workshopräume sowie eine Dachterrasse.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, die für die Durchführung des Projekts zuständig ist, erklärte auf Nachfrage zur aktuellen Entwicklung im Rechtsstreit um das Grundstück: „Eine Prognose zur Verfahrensdauer und einer sich daraus möglicherweise ergebenden Verzögerung können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht abgeben. Der gegenwärtig stattfindende zweiphasige Wettbewerb wird wie geplant weitergeführt.“

Zuversichtlich gibt sich auch Barrie Kosky, der Intendant der Komischen Oper. „Es ist bedauerlich, dass der Rechtsstreit nun möglicherweise in eine weitere Instanz gehen könnte“, kommentierte er gegenüber dem Tagesspiegel. Er betonte aber auch, dass dies aus seiner Sicht aktuell keine Auswirkungen für sein Haus habe: „Wir halten an unseren Planungen fest und freuen uns auf den Abschluss des Wettbewerbsverfahrens Ende Oktober“.

Wegen des baulichen Zustands des Hauses sei es essenziell, dass rechtzeitig mit den Maßnahmen für Sanierung und Neubau begonnen werden könne. „Wir sind überzeugt, dass wir nach allen bisher gewonnenen Instanzen das Recht weiter auf unserer Seite haben, und sind zuversichtlich, dass die Verantwortlichen in den Senatsverwaltungen auch im sehr unwahrscheinlichen ,Worst Case‘ eine gute Lösung finden würden.“ Frederik Hanssen

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