Regisseur Winfried Bauernfeind ist tot : Ein Mann mit ansteckender Theaterlaune

Er gehörte zu den prägenden Figuren in der jüngeren Geschichte der Deutschen Oper Berlin. Im Alter von 85 Jahren ist Winfried Bauernfeind nun gestorben.

Winfried Bauernfeind wurde am 26. Januar 1935 geboren. Am 10. März 2020 ist er verstorben.
Winfried Bauernfeind wurde am 26. Januar 1935 geboren. Am 10. März 2020 ist er verstorben.Foto: Kranichfoto

Über 40 Jahre lang hat Winfried Bauernfeind an der Deutschen Oper gearbeitet. Er kam als Regie-Volontär ans Haus, erhielt 1972 eine Anstellung als Spielleiter und war ab 1979 dann als Oberspielleiter für die Qualitätssicherung des Repertoires zuständig. Aber natürlich inszenierte er auch selber, sehr häufig zusammen mit dem Bühnenbinder Martin Rupprecht.

Bekannt wurde er mit Produktionen aus dem heiteren Genre der Spieloper. Seine szenischen Versionen von "Martha", den "Lustigen Weibern von Windsor" sowie "Zar und Zimmermann" genossen Kultstatus an der Deutschen Oper. Aber er brachte auch Uraufführungen mit heraus und inszenierte Musiktheater an ungewöhnlichen Orten wie der Osram-Fabrik oder der Diskothek "Metropol" am Nollendorfplatz. 1974 stellte er Boris Blachers 1952 uraufgeführte Oper "Preußisches Märchen" neu zur Diskussion.

Einen unerwarteten Publikumserfolg konnte Bauernfeind 1979 mit einer „Mitmachoper" des Komponisten Wilhelm Dieter Siebert einfahren, dem "Untergang der Titanic". Das Publikum wanderte dabei vom Foyer in die Katakomben und bis in den Innenhof der Deutschen Oper.

Er konnte selbst die Störrischsten mitreißen

Spektakulär fiel seine musikalische "Sternstunde" aus, ein Spektakel, das er zur 750-Jahr-Feier Berlins am Großen Stern inszenierte, unter anderem mit einem Helikopterquartett.

Am 31. Dezember 2000 trat Winfried Bauernfeind in den Ruhestand, war aber weiter als Regisseur aktiv, vor allem in Japan. Jetzt ist er im Alter von 85 Jahren gestorben.

"Winfried Bauernfeinds Theaterlaune war ansteckend, auch die Störrischen konnte er in Bewegung bringen. Und mit seiner großen Erfahrung mit dem Haus und der Stadt wurde er zu einer wichtigen Stütze für Götz Friedrich, der 1981 nach Egon Seefehlner und Siegfried Palm sein dritter Generalintendant wurde", schreibt der ehemalige Dramaturg der Deutschen Oper, Curt A. Roesler, in seinem Nachruf. "Das Ensemble der Deutschen Oper Berlin erinnert sich dankbar an die lange Zeit mit Winfried Bauernfeind, die nun schon eine Weile zurückliegt und dennoch so nah ist, weil sie die unglaubliche Kreativität dieser Stadt schon vertrat, als es noch deutlich weniger Clubs und Freie Gruppen gab als heute."

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