Stephen Kings Roman „Erhebung“ : In die ewigen Lüfte verschwunden

In Stephen Kings neuem Roman „Erhebung“ kämpft ein Mann mit Gewichtsproblemen. Er wird immer dünner - ohne jede Erklärung.

Juliane Oelsner
Meister des Horrors. Der amerikanische Schriftsteller Stephen King.
Meister des Horrors. Der amerikanische Schriftsteller Stephen King.Foto: Maja Hitij/dpa

Mit Stephen King hat man bisweilen seine Probleme. Nicht weil seine Bücher so schlecht wären, höchstens manchmal etwas langatmig. Sondern vielmehr, weil sie ununterbrochen veröffentlicht werden und außer hartleibigen King-Fans kaum jemand nachkommt mit dem Lesen. Unter zwei Bänden pro Jahr macht es King nicht, und wenn sie dann oft über fünf-, sechs-, siebenhundert Seiten haben, bleibt nicht mal mehr Zeit für eine Serie auf Netflix.

Insofern ist es geradezu eine Erleichterung, eine sprichwörtliche gar, wie man sehen wird, dass er nun mit „Erhebung“ einen ganz kleinen Roman veröffentlicht hat. Sein Held ist der Website-Designer Scott Carey, der das Problem hat, trotz einer noch ganz ansehnlichen Wampe und normalem Essverhalten immer dünner zu werden. Sein Freund Dr. Ellis weiß keinen klugen Rat, und auch Deidre und Missy nicht, die beiden Nachbarinnen von Scott, deren Hunde immer auf seinem Rasen ihr Geschäft verrichten. Deidre und Missy sind ein lesbisches Paar, das in dem streng republikanischen und fiktiven Lieblingsstädtchen von Stephen King, Castle Rock, so seine Akzeptanz-Probleme hat. Was auch Scott, der den beiden trotz der Hundehaufen nichts Böses will, bald bemerkt. Und so erzählt Stephen King hier nach und nach eine kleine Geschichte über Respekt, Verständnis und Freundschaft, immer vor dem Hintergrund, dass sich Scott dereinst von allen wird verabschieden müssen, weil er täglich seine Kilos verliert.

Natürlich ist das alles eine Spur zu wenig gebrochen, trotz Scotts ungewollter Leichtigkeit des Seins, auch zu sehr mit schwerem Gerät aufgefahren, von wegen der veränderten Stimmungslage in Trump-Amerika. Trotzdem schafft es Stephen King, seine Charaktere auf angenehmer Kürze zu entwickeln und seinem Roman einen heiteren Charme zu verleihen. Am Ende folgt man Scott Carey ganz unsentimental und gar nicht mal so traurig in die ewigen Lüfte.

Stephen King: Erhebung. Roman. Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt. Heyne Verlag, München 2018. 144 Seiten, 12 €.

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