Till Raethers Krimi „Neunauge“ : Zwei Tote und die Glückstage

Actionheld wider Willen: In Till Raethers „Neunauge“ löst der Hamburger Kommissar Adam Danowski seinen vierten Fall.

Hamburg, Schauplatz von Till Raethers Krimi „Neunauge“.
Hamburg, Schauplatz von Till Raethers Krimi „Neunauge“.Foto: AFP PHOTO / dpa / Daniel Reinhardt / Germany OUT

Je stärker Job und Kollegen ihn nerven, desto cooler wird der Kommissar. Adam Danowski, Mord-Ermittler bei der Kripo Hamburg, wirkt bei seinem vierten Fall finster entschlossen, sich von Vorgesetzten nichts vorschreiben und von Kollegen nicht kirre machen zu lassen – schon gar nicht, wenn sie aus München angereist kommen und als „Deutschlands berühmtester Profiler“ vorgestellt werden. Zwei tote Männer werden in abgelegenen Kellerräumen von Hamburger Schulen gefunden, erschlagen und mumifiziert, weil ihr Mörder wusste, wie er Tote lagern muss, damit sie unbemerkt vertrocknen können. Überdies sind sie mit dem Gebissabdruck eines Fisches markiert – rätselhaftes Ritual. Schulen werden geschlossen, die Verwaltung ist in Aufruhr, der Profiler jagt die Kollegen mit seinen Theorien – und Danowski überlegt, was er in sein „Glückstagebuch“ schreiben soll. Dieses zu führen, hatte ihm seine Therapeutin geraten, mit der er sein kompliziertes Seelenleben zu kurieren versucht.

Till Raether hat mit Danowski einen Charakter geschaffen, von denen es im plakativen Krimi-Genre wenige gibt: Skeptiker und Eigenbrötler, einer, der sich überkritisch im Spiegel betrachtet, der darüber staunt, dass seine Frau und Töchter zu ihm halten – und bewegt bemerkt, wenn andere Frauen mit ihm flirten. Einer, der langsamer wird, wenn alle sich aufregen.

Neigung zur Passivität

Bald ist klar, dass beide Tote etwas gemeinsam hatten – und Danowski Kollegin Meta Jurkschat zumindest ahnt, worin diese Gemeinsamkeit besteht. Meta war mit einem der beiden mal befreundet. Dass sie das mit Danowskis Hilfe verschweigt, macht die komplizierte Suche nach der gemeinsamen Vergangenheit der zwei Ermordeten noch schwieriger.

Auch dieses Mal wird Danowski vom Ermittler mit einer Neigung zur Passivität zum Actionhelden wider Willen. Raether hat für komplizierte Charaktere so viel Sinn wie für die temporeiche Auflösung verwickelter Geschichten. Hoffentlich hat Danowski noch ein paar Dienstjahre vor sich.

Till Raether: Neunauge. Roman. Rowohlt Polaris, Reinbek 2017. 492 Seiten, 14,99 €.

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