„Types of Typewriting“-Ausstellung : Vielfalt der Tastenkunst

Die Ausstellung „Types of Typewriting“ in der Weddinger Galerie Oqbo raum für bild wort und ton widmet sich Schreibmaschinentexten.

Lorina Speder
Installationsansicht der Schau „Types of Typewriting“
Installationsansicht der Schau „Types of Typewriting“Foto: oqbo raum für bild wort ton

Die Schreibmaschine verschwindet aus dem Alltag. Und mit ihr eine Kulturtechnik, die ihre eigene Ästhetik hervorgebracht hat. Mit der Vielfalt dieser Tastenkunst setzt sich die Ausstellung „Types of Typewriting. Schreibmaschinentexte seit den 1950er Jahren“ in der Weddinger Galerie Oqbo raum für bild wort und ton (Brunnenstraße 63, bis 23. Juni) auseinander. Hier hängen Arbeiten von Pionieren wie Carl Andre, Dieter Roth oder der 1932 geborenen visuellen Poetin Ruth Wolf-Rehfeldt. Aber auch Werke aus den vergangenen vier Jahren. Daran erkennt man, dass die Textverarbeitung in Zeiten der Digitalisierung zumindest auf dem Feld der Kunst nicht an Attraktivität verliert.

Die Strömung der konkreten Poesie formte sich in den fünfziger Jahren. Viele zeitgenössische Künstler der Ausstellung orientieren sich daran und fokussieren auf das Textbild von Wörtern oder den spielerischen Klang der Lettern. Es empfiehlt sich, die oft zusammenhanglosen Worte laut aufzusagen – wenn sie zu entziffern sind. So ergeben zum Beispiel Cia Rinnes „17 questions“ (je 250 Euro) Sinn, denn in Worten wie caractéristi/qué? oder philosophi/qué? steckt übersetzt auch die Frage „Wie?“. Im Werk daneben fordert die schwedisch-finnische Künstlerin und Autorin zur eigenen Kreativität auf. Ihren Aufruf und Titel der Arbeit „write a text“ platzierte sie mittig auf das sonst leere Blatt und fügte keck hinzu „now, take out all the lies“. Wohl wissend, dass dies vernichtend für viele Texte wäre.

Der Vokal wird zum Schrei

Rinne greift auch auf die Bedeutung der Sprache zu, bei anderen Künstlern tritt sie in den Hintergrund. Hier werden die Buchstaben und Satzzeichen ganz auf ihr Äußeres reduziert. Deshalb leuchtet auch ein, dass Minimalisten wie Andre mit dieser Methode experimentierten. Seine fünf im Kreis angeordneten Buchstaben „h“ aus dem Jahr 1959 ergeben zusammengesetzt das Wort „white“ – was in Anbetracht des sonst weißen Blattes der unverkäuflichen Ausstellungskopie ein humoristischer Wink ist.

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Petra Schulze-Wollgast lässt in ihren sechs unbetitelten Schreibmaschinen-Typografiken (2014/16) mit Buchstaben ganze Flächen entstehen. Die vielen „a“s ziehen Linien um eine leere Stelle in der Bildmitte. Durch die unterschiedlichen Farben der Buchstabenreihen, die in Schwarz, Grün und Blau teilweise ineinander übergehen und visuell für Konfusion sorgen, wird der Vokal zum Schrei. Die gedruckten Editionen gibt in einer Auflage von zehn Exemplaren für je 10 Euro zu kaufen. Und die Anmerkung „(kein Tippfehler!)“ hat etwas Beruhigendes: Solange das Wort ‚Tippfehler‘ noch existiert, bleiben die Eigenschaften der Schreibmaschine unvergessen – bis uns die digitale Autokorrektur einholt.

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