Wegen Peter Handke : Akademiemitglied Englund boykottiert Nobelwoche

Das langjährige Mitglied der Schwedischen Akademie, der Historiker Peter Englund, weigert sich Peter Handkes Nobelpreis für Literatur zu feiern.

Boykottiert Handke. Der schwedische Schriftsteller und ehemalige Nobelpreisjury-Chef Peter Englund, hier 2006.
Boykottiert Handke. Der schwedische Schriftsteller und ehemalige Nobelpreisjury-Chef Peter Englund, hier 2006.Foto: picture alliance / dpa/ epa/ Scanpix/ Bertil Ericson

Aus Protest gegen den Literaturnobelpreis für den Schriftsteller Peter Handke boykottiert ein langjähriges Mitglied der Schwedischen Akademie die diesjährige Nobelwoche. „Peter Handkes Nobelpreis zu feiern, wäre von meiner Seite grobe Heuchlerei. Das ist alles, was ich dazu zu sagen habe“, teilte Peter Englund der schwedischen Zeitung „Dagens Nyheter“ in einer E-Mail mit.

Das Akademiemitglied wird deshalb diesmal an keinen Feierlichkeiten rund um die Literaturnobelpreisvergabe teilnehmen. Auf der Teilnehmerliste für die Nobelzeremonie am kommenden Dienstag im Konzerthaus von Stockholm fehlt der Name Englund bereits.

Die Schwedische Akademie hatte nach ihrem Skandaljahr 2018 im Oktober zwei Literaturnobelpreisträger verkündet: Die Polin Olga Tokarczuk erhält den Preis für das Jahr 2018, der Österreicher Handke für 2019. Nach der Bekanntgabe war eine große Debatte um Handke und seine umstrittene Haltung zum Jugoslawien-Konflikt entstanden. Am Freitag war in Stockholm eine Pressekonferenz mit den beiden Preisträgern geplant.

Englund, der von 2009 bis 2015 Ständiger Sekretär der Akademie war, hatte in den 90er Jahren als Reporter über den Balkankrieg berichtet. Er hatte sich dabei laut „Dagens Nyheter“ deutlich gegen serbischen Nationalismus und das Vorgehen des serbischen Anführers Slobodan Milosevic ausgesprochen. Handke hatte 2006 bei der Beerdigung von Milosevic eine Rede gehalten. (dpa)

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