Zum Tod der Krimiautorin Sue Grafton : Morde nach dem ABC

Das Schreiben war für sie eine Zeitreise. Auch ernste Themen scheute die amerikanische Krimiautorin Sue Grafton nicht. Ein Nachruf.

Die US-amerikanische Krimiautorin Sue Grafton.
Die US-amerikanische Krimiautorin Sue Grafton.Foto: Gino Domenico/dpa

Die amerikanische Krimiautorin Sue Grafton ist tot. Sie starb am Donnerstag im Alter von 77 Jahren nach einer zweijährigen Krebserkrankung. „Sue hat immer gesagt, dass sie weiter schreiben würde, solange sie den Saft dazu hat“, schrieb Tochter Jamie auf ihrer Facebookseite. Bekannt geworden war Grafton mit einer nach den Buchstaben des Alphabets benannten Buchreihe. Als Heldin fungiert dabei Kinsey Millhone, eine Privatdetektivin in der fiktiven kalifornischen Kleinstadt Santa Teresa. Mit dem Namen huldigte Grafton ihrem Kollegen Ross MacDonald, dem großen Hardboiled-Autor, der die Stadt Santa Barbara schon in seinen Büchern „Santa Teresa“ genannt hatte.

Die ABC-Serie begann 1982 mit dem Band „A Is for Alibi“ (deutscher Titel: „Nichts zu verlieren – A wie Alibi“), führte über „D Is for Deadbeat“ (1987) und „K Is for Killer“ (1994) bis zu „Y Is for Yesterday“ (2017). Den letzten Band hat die Schriftstellerin nicht mehr schreiben können. Er sollte „Z Is for Zero“ heißen und war für 2019 angekündigt. Ihre Mutter hätte „es keinem Ghostwriter erlaubt, in ihrem Namen zu schreiben“, sagte die Tochter. „Für uns, ihre Angehörigen, endet das Alphabet jetzt mit Y.“

Grafton veröffentliche ihre Romane im Jahresrhythmus

Sue Grafton wurde 1940 in Louisville, Kentucky, geboren. Schon ihr Vater C. W. Grafton hatte Krimis geschrieben. Seit Anfang der sechziger Jahre lebte sie im kalifornischen Santa Barbara. Bevor sie ihren ersten Roman veröffentlichte, arbeitete sie an Drehbüchern. Sie heiratete drei Mal und hatte drei Kinder. Grafton adaptierte mit ihrem dritten Ehemann Agatha-Christie-Romane fürs Fernsehen, wollte aber ihre eigenen Bücher nicht verfilmen lassen. Fast so fleißig wie Christie brachte sie ihre Krimis anfangs im Jahresrhythmus heraus, ein Pensum, das sie zuletzt nicht mehr einhalten konnte.

Sue Grafton schrieb über Kindesmissbrauch, Justizirrtümer und Obdachlosigkeit, verstand sich aber als Handwerkerin. In Interviews betonte sie, neugierig und schüchtern zu sein. „Ich liebe es, für meine Bücher zu recherchieren, bin aber wirklich introvertiert“, sagte sie. „Ich muss mich jedes Mal überwinden, den Telefonhörer abzuheben und einen Experten anzurufen, der mir weiterhelfen kann. Dann gestehe ich sofort meine völlige Unkenntnis ein. Inzwischen kennen viele Leute meine Bücher und sind völlig wild darauf, mit mir zu sprechen. Das ehrt mich, aber ich bekomme nun viel mehr Informationen, als ich brauche.“ Das Schreiben hat Grafton geliebt, es war für sie eine Zeitreise. „Ich reise zurück ins Jahr 1986, verlasse meinen Körper und begebe mich in Kinsey Millhones Körper. Wenn es funktioniert, ist es wunderbar.“

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