MIZ-Förderprojekte : Arbeiten am digitalen Journalismus von morgen

Das Medieninnovationszentrum Babelsberg stellt vier Förderprojekte vor, die digitale Berichterstattung voranbringen wollen: Mit VR, Spielfiguren und Sensoren.

Nutzer können mittels VR-Brillen in Virtual Reality-Geschichten eintauchen (Symbolbild).
Nutzer können mittels VR-Brillen in Virtual Reality-Geschichten eintauchen (Symbolbild).Foto: Boris Roessler/dpa

Eine Spielfigur namens Reporter-Tonie erklärt im Kinderzimmer die Welt: Zum Beispiel, was Alexander Gerst im Weltall erlebt oder was es Neues von US-Präsident Donald Trump gibt. Die Spielfigur, aufgesteckt auf die würfelförmige Toniebox von der Firma Boxine, soll Kindern aktuelle Nachrichten näher bringen. Daran arbeiten Astrid Csuraji und Jakob Vicari mit ihrem Projekt Tactile.News, gefördert vom Medieninnovationszentrum Babelsberg (MIZ).

Tactile.News entwickelt ein System, mit dem Redaktionen ihre Artikel als Audiobeiträge für Kinder produzieren können. Diese sollen schließlich über den vernetzten Reporter-Tonie heruntergeladen und auf der Box abgespielt werden - wie es bereits mit Musik oder Hörbüchern möglich ist. Sieht so der Kinder-Nachrichtenjournalismus der Zukunft aus?

Wenn es nach dem MIZ geht, ja. Die Babelsberger Einrichtung der Medienanstalt Berlin-Brandenburg fördert Medienprojekte, die technische Innovation und neue Mediennutzungs- und Anwendungsmöglichkeiten liefern. Aktuell werden fünf Projekte im Rahmen der Innovationsförderung für Studierende und Start-ups sowie Medienprofis gefördert, die Projektbudgets liegen bei 30.000 bis maximal 50.000 Euro inklusive Eigenanteil.

Der Abstandsmesser des Projekts Radmesser.
Der Abstandsmesser des Projekts Radmesser.Foto: Hendrik Lehmann/TSP

Projekt Radmesser will Sicherheit auf Berlins Straßen überprüfen

Vier Projekte aus dem digitalen Journalismus stellten sich am Dienstagabend beim Themenabend „Innovation in Media and Journalism“ vor. Sie alle wollen neue Formen des Geschichten-Erzählens und -Erlebens vorantreiben. Mit dabei ist auch das Datenjournalismus-Projekt Radmesser des Tagesspiegels: Ein Team aus Redakteuren, Physikern und Programmierern untersucht gemeinsam mit freiwilligen Radfahrern, wie es um die Sicherheit im Berliner Straßenverkehr bestellt ist: Mittels Sensoren messen hundert Radler beim Fahren, mit welchen Abständen sie von anderen Fahrzeugen überholt werden. 46 Millionen Einzelmessungen haben die Sensoren auf 13.000 gefahrenen Kilometern durchgeführt. Bis Anfang Dezember will das Team die Daten auswerten. Auch Stadtplaner aus dem Ausland würden sich bereits für das Projekt interessieren, sagt Tagesspiegel-Redakteur Hendrik Lehmann.

Weitere Projekte nutzen Virtual Reality-Technik: „Constructive VR“ will konstruktiven Journalismus mit VR-Storytelling verbinden: Der Rezipient soll das Gefühl bekommen, selbst am Ort des Geschehens zu sein und so die Situation und die Protagonisten besser verstehen, erklärt Projektleiter Felix Gaedtke. Die Prototyp-Geschichte erzählt das Thema Kinderarmut anhand einer jungen Berlinerin, die im Kinderzirkus Cabuwazi aufgefangen wird. Zudem erstellt das Team ein Handbuch für Journalisten, wie diese die VR- und 360 Grad-Technik nutzen können.

Einen ähnlichen Gedanken verfolgt auch XRDok: Das Team entwickelt einen VR-Baukasten, der es Journalisten ermöglichen soll, VR-Geschichten mit 3D-Computergrafiken zu erstellen, die etwa in Online-Artikeln eingebunden werden können, sagt die Journalistin Linda Rath-Wiggins. Die Produktionen können etwa historische Ereignisse erzählen oder einfach das Fahrrad erklären, gibt sie als Beispiele. Ziel sei, dass auch kleinere Redaktionen die normalerweise sehr aufwendigen Produktionen durchführen können. Das Projekt stellt Open-Source-Vorlagen zum Herunterladen bereit, die Zeit und Kosten sparen sollen und keine umfangreichen Programmierkenntnisse verlangen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben