Netflix-Serie "Disenchantment" : Plötzlich Prinzessin

Nomen est omen? Die neue Serie von Matt Groening, dem Schöpfer von "Simpsons" und "Futurama", heißt übersetzt „Enttäuschung“.

Till Frommann
Verruchte Prinzessin: Bean trinkt und prügelt gerne.
Verruchte Prinzessin: Bean trinkt und prügelt gerne.Screenshot: Netflix

Lifehacks sind Tipps, wie man das Leben einfacher auf die Reihe bekommt. Zum Beispiel, wie Bananen länger frisch bleiben. Oder dass man aus einer alten Kassettenhülle einen Smartphonehalter basteln kann. Ein Lifehack, bei dem man 120 Minuten Lebenszeit sparen kann, ist der Tipp, erst mit der fünften Folge von Matt Groenings neuer Netflix-Zeichentrickserie „Disenchantment“ zu beginnen. Die Folgen davor scheinen aus einer Zeit zu stammen, als das Wort „trantütig“ modern und originell war, auch wenn der Ausdruck das antiquierte Erzähltempo der Serie durchaus treffend beschreibt. Allerdings kann man dann die Fragen kaum noch beantworten, ob man sich nach vier Folgen daran gewöhnt hat oder es wirklich etwas rasanter zugeht.

Von diesem Freitag an zeigt Netflix das zehnteilige mittelalterlich angehauchte „Disenchantment“. Es ist die dritte Serie, die Groening innerhalb von fast dreißig Jahren entwickelt hat – seine ersten beiden sind Meisterwerke der Popkultur geworden. Groening, verantwortlich für „Die Simpsons“ und „Futurama“, nannte sein neues Machwerk „Disenchantment“ – zu Deutsch: „Enttäuschung“. Ob das ausreicht, die hohen Erwartungen der Kritiker und Fans herunterzuschrauben? Leider nicht. Das Bewertungsportal „Rotten Tomatoes“ fasst im Moment über 20 Rezensionen von professionellen Fernsehkritikern zu einem nicht sehr schmeichelhaften Zufriedenheitswert von 57 Prozent zusammen.

Ein Elf namens Elfo und Luci, der Dämon

Die Handlung in Kürze: Prinzessin Bean hat sich mit dem Dämon Luci und einem Elfen namens Elfo angefreundet und erlebt mehr oder weniger spannende Abenteuer. Und ja, der Elf heißt tatsächlich Elfo und der Dämon Luci, eine Kurzform von Luzifer – was wirklich nicht sehr originell wirkt.

In den ersten Szenen will man zeigen, wie verrucht diese Prinzessin ist. Sie hängt in Bars herum. Sie trinkt. Sie prügelt sich. Insgesamt kein sehr prinzessinnenhaftes Verhalten. Luci, der Dämon, bringt Prinzessin Bean immer wieder auf dumme Ideen, eine vergleichbare Figur ist der Roboter Bender aus der Zeichentrickserie „Futurama“. Prinzessin Bean könnte man mit Leela vergleichen, der starken, weiblichen Hauptrolle aus eben dieser Zukunftsvision von Matt Groening.

Den ersten Folgen sieht man die Freude der Macher an, dass Netflix ihnen einen größeren Spielraum gegeben hat: Hier Messer, die in die Augen eines Riesen gespießt werden, da eine Sexorgie mit, nun ja, Walrössern. Hätte das Fox – der US-Sender, der die „Simpsons“ zeigt – zugelassen? Wahrscheinlich schon. Man denke nur an „Itchy und Scratchy“, eine deutlich brutalere Persiflage auf Tom und Jerry, die Bart Simpson immer wieder im Fernsehen konsumiert. Eine weitere Freiheit: Die Episoden von „Disenchantment“ müssen nicht genau 22 Minuten lang sein wie bei ihrer gelben Gegenwartsfamilie. Die Pilotfolge streckt sich dann auch gleich auf 35 Minuten, die weiteren Folgen sind bis zu 30 Minuten lang. Kürzer wäre besser gewesen.

Im Gegensatz zu „Futurama“ und den „Simpsons“ gibt es bei „Disenchantment“ plötzlich Kontinuität. Bei den anderen Serien stehen die Folgen für sich, die vorigen Ereignisse haben die Protagonisten in der nächsten Folge wieder vergessen. Nicht so bei „Disenchantment“. Die Handlung setzt sich fort. Zum Beispiel taucht ein Prinz, der sich in der zweiten Folge in ein Schwein verwandelt hat, in der siebten Folge wieder auf.
„Disenchantment“ ist keine völlige Enttäuschung, das nicht. Von einem Klassiker wie „Futurama“ oder „Simpsons“ ist das Machwerk jedoch noch weit entfernt. Eine zweite Staffel ist angekündigt – darin müssen sich die Kreativen beweisen, ansonsten heißt es dann wenig rühmlich „Es war einmal“. Till Frommann
„Disenchantment“, Netflix, zehn Folgen, ab Freitag

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