Reden ist Gold : Zuschauer aller Sender, verteidigt die Talkshow!

Der Deutsche Kulturrat will eine einjährige Talkpause – damit die Integration im Land vorankommt. Das kann nicht ohne Widerspruch bleiben.

Da war was los: ARD-Talker Frank Plasberg (im Bild) will AfD-Chef Alexander Gauland nicht mehr als Gast.
Da war was los: ARD-Talker Frank Plasberg (im Bild) will AfD-Chef Alexander Gauland nicht mehr als Gast.Foto: dpa

Zuweilen liegt eine Lösung so nahe, dass einfach keiner draufkommt. Keiner? Das stimmt nicht. Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, findet, die Talkshows im Ersten und im ZDF sollten sich eine einjährige Auszeit nehmen und ihre Konzeptionen überarbeiten. „Vielleicht wird die talkshowfreie Zeit der Integration in unserem Land nützlich sein?“

Und nicht vergessen: Mehr als hundert Talkshows zu den Themen Flüchtlinge und Islam hätten geholfen, „die AfD bundestagsfähig zu machen“. Also ab in die Sendepause und scharf darüber nachdenken, wie „Anne Will“, „hart aber fair“, „Maischberger“ und „Maybrit Illner“ die Flüchtlinge in die Gesellschaft rein- und die AfD aus dem Parlament raustalken können!

Erst mal ist die Annahme sehr kühn, eine Gesprächssendung könne solches bewirken; eine Talkshow bringt im besten Fall die Argumente aller Seiten zum Glänzen und im schlechtesten Fall den Zuschauer zum Glühen. Hier tagt nicht das Ersatzparlament, hier wird Verbalfußball ohne Videobeweis gespielt. Die Redaktionen sorgen für die Aufstellung, die Moderatorin/der Moderator vertritt tapfer die Idee vom fairen Spiel.

Das Publikum will Polarisation

Das Publikum hebt und senkt die Daumen, soll mal keiner glauben, die Mehrheit erwarte feinste Ach-wie-interessant-bitte-erzählen-Sie-mir-mehr-davon-Rhetorik. Die eigene Position soll stellvertretend zum Sieg gebracht werden. Der Ärger der Gauland-Fans über die Ausladung bei „hart aber fair“ ist realiter doch nur die Furcht, Alice Weidel oder Beatrix von Storch könnten dem Altvorderen nicht das Wasser reichen.

Also: Talkshows lösen keine Probleme, sie füttern stärker die Instinkte und weniger den Intellekt. Sie geben Menschen Sprechzeit, die besser schweigen sollten, sie ärgern immer die eine Hälfte der Zuschauer, weil auch die andere Seite gehört werden muss.

Talkshows zeugen vom zivilisatorischen Zuwachs einer Gesellschaft. Nicht lange her, da ging es in die Säle, auf die Straßen. Schädel wurden traktiert, es galt, den Gegner mundtot zu machen. Eine Talkshow ist eine Anstrengung: die Integration der Andersdenkenden.

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