20 Tote bei indisch-chinesischem Grenzkonflikt : Atommächte prügeln sich im Himalaya

Schon länger schwelt der Grenzkonflikt zwischen Indien und China im Himalaya. Nun gab es bei Auseinandersetzungen mit Stöcken und Steinen mindestens 20 Tote.

Die Truppentransporter der indischen Armee fahren in die Provinz Kashmir.
Die Truppentransporter der indischen Armee fahren in die Provinz Kashmir.Foto: REUTERS/Danish Ismail

Mit Stöcken, Steinen und den blanken Fäusten kämpften die beiden Atommächte Indien und China stundenlang gegeneinander. Bei der Auseinandersetzung auf 4200 Metern Höhe und Temperaturen unter Null fiel kein einziger Schuss. Dennoch starben mindestens 20 indische Soldaten, wie die Zeitung „Indian Express“ am Mittwoch berichtete.

Es war der blutigste Streit zwischen den beiden Ländern seit über 50 Jahren. Der Tod seiner Soldaten schockiert Indien, das gerade mit den schweren Folgen der Corona-Pandemie kämpft. Indiens Verteidigungsminister Rajnath Singh nannte den Verlust der Soldaten „zutiefst verstörend und schmerzhaft“.

Auslöser war offenbar ein Zelt, das die chinesische Armee am Südufer des Galwan-Flusses im Himalaya-Gebirge errichtet hatte. Das Gebiet galt bislang zumindest als Puffer-Zone an der unmarkierten Grenze zwischen beiden Staaten.

Der Streit eskalierte in der Nacht vom Montag auf Dienstag, als eine Gruppe indischer Soldaten unbewaffnet vor dem chinesischen Zelt erschien, um die Angelegenheit zu klären.

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Indien behauptet, dass auch 35 chinesische Soldaten ums Leben gekommen sind. Peking machte dazu jedoch keine Angaben. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums erklärte lediglich, das Galwan-Tal habe immer schon zu China gehört. Indiens Premier Narendra Modi reagierte mit keinem Wort auf die Krise. Indien, das militärisch nicht mit China mithalten kann, befindet sich in einer schwierigen Situation.

In diesem Monat gab es bereits zwei kleinere Auseinandersetzungen

Noch in der vergangenen Woche hatte Indiens Armeechef Manoj Mukund Naravane erklärt: „Ich möchte allen versichern, dass die gesamte Situation an der Grenze zu China unter Kontrolle ist.“ In diesem Monat hatte es bereits zwei kleinere Auseinandersetzungen gegeben. Die 3500 Kilometer lange Grenze zwischen Indien und China ist nie offiziell von beiden Seiten festgelegt worden. Es gibt nur eine „Line of Control“ seit dem Waffenstillstand nach dem indisch-chinesischen Krieg 1962. Gerade im Himalaya ist deren Verlauf nicht markiert.

Das Galwan-Tal im indischen Ladakh, wo die 20 indischen Soldaten starben, war vor gut 50 Jahren bereits Schauplatz einer militärischen Eskalation. Im September 1967 kamen bei Scharmützeln zwischen der indischen und der chinesischen Seite 88 indische und mehr als 300 chinesische Soldaten ums Leben.

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Indien sorgt sich seit längerem um die wachsenden Ansprüche Chinas in Südasien. Satellitenbilder zeigen, dass an der indisch-chinesischen Grenze beide Seiten ihre Präsenz in den vergangenen Wochen verstärkt haben. Auch Indiens Entscheidung, die bislang autonome Region Ladakh im August 2019 ganz in den indischen Zentralstaat zu integrieren, hatte Peking verärgert. Die Vereinten Nationen zeigten sich besorgt über die Eskalation: UN-Chef Antonio Guterres forderte beide Seiten auf, „größtmögliche Zurückhaltung“ walten zu lassen.

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