678.000 Menschen ohne Wohnung : Zahl der Obdachlosen 2018 um 4,2 Prozent gestiegen

Zu wenig bezahlbarer Wohnraum und steigende Armut sind die Hauptgründe für die wachsende Zahl der Obdachlosen. 41.000 sind ohne jegliche Unterkunft.

Ein Obdachloser liegt unter einer Decke in einem Eingang einer Kirche in Kreuzberg.
Ein Obdachloser liegt unter einer Decke in einem Eingang einer Kirche in Kreuzberg.Foto: Paul Zinken/dpa

Die Zahl der Obdachlosen in Deutschland ist einer Schätzung zufolge gestiegen. 2018 waren 678.000 Menschen ohne Wohnung, 4,2 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor, wie die Zeitungen der Funke Mediengruppe am Montag unter Berufung auf die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Wohnungslosenhilfe berichteten. 2017 lag die Zahl der Obdachlosen demnach noch bei 650.000 Menschen.

["Nacht der Solidarität": Berlin will seine Obdachlosen zählen - Helfer werden für die 12 Bezirke gesucht. Ingo Salmen erklärt die Aktion für ganz Berlin im neuen Marzahn-Newsletter - hier der Tagesspiegel-Link. Unsere Bezirksnewsletter gibt es unter leute.tagesspiegel.de]

Dem Bericht zufolge lebten 2018 etwa 41.000 Menschen ohne jegliche Unterkunft auf der Straße. Die Zahl der wohnungslosen Menschen ohne Fluchthintergrund sei mit 1,2 Prozent weniger stark angestiegen als die Zahl der wohnungslosen anerkannten Geflüchteten mit 5,9 Prozent, sagte die Geschäftsführerin der BAG Wohnungslosenhilfe, Werena Rosenke, den Funke-Zeitungen.

Nach Angaben der BAG Wohnungslosenhilfe waren 2018 rund 70 Prozent der wohnungslosen Menschen ohne Fluchthintergrund alleinstehend, 30 Prozent lebten mit Partnern und/oder Kindern zusammen. Laut Schätzung lag die Zahl der Kinder und minderjährigen Jugendlichen bei acht Prozent.

Als Hauptgründe für die steigende Zahl der Wohnungslosen nannte Rosenke das unzureichende Angebot an bezahlbarem Wohnraum, die Schrumpfung des Sozialwohnungsbestandes und die Verfestigung von Armut. "Es fehlt insbesondere an bezahlbarem Wohnraum für Menschen im Niedrigeinkommensbereich, für die Menschen, die Transferleistungen beziehen und für anerkannte Geflüchtete."

Alleinerziehende und junge Erwachsene seien besonders gefährdete Personengruppen. Aber auch die drohende Altersarmut der Generation der Billigjobber, der Solo-Selbstständigen und anderer prekär beschäftigter Menschen sei besorgniserregend, sagte sie. (AFP)

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!