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Armut in Deutschland : Alleinerziehende sind besonders häufig arm

Alleinerziehende haben überdurchschnittlich häufig wenig Geld. Viele von ihnen können unerwartete Ausgaben von etwa tausend Euro nicht stemmen.

Eine Mutter schaukelt ihr Kind auf einem kleinen Spielplatz. (Symbolbild)
Eine Mutter schaukelt ihr Kind auf einem kleinen Spielplatz. (Symbolbild)Foto: Christian Charisius/dpa

Alleinerziehende und ihre Kinder sind überdurchschnittlich häufig armutsgefährdet. "Finanziell stehen sie nach wie vor oftmals schlechter da als Menschen, die in anderen Familienformen leben", sagte der Präsident des Statistischen Bundesamts, Georg Thiel, am Donnerstag in Berlin. Die Armutsgefährdungsquote für Menschen in Alleinerziehenden-Haushalten lag 2016 bei 33 Prozent. Damit ist sie zwar in den vergangenen Jahren leicht gesunken (2011 waren es noch 37 Prozent), im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt (16 Prozent) ist sie aber immer noch deutlich überhöht:. In Haushalten, in denen zwei Erwachsene mit Kindern leben, waren 2016 sogar nur 11 Prozent von Armut bedroht.

Als armutsgefährdet gelten Personen, denen weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens zur Verfügung stehen. Im Alltag stoßen Alleinerziehende oft auf Schwierigkeiten: 39 Prozent der Alleinerziehenden noch nicht einmal eine einwöchige Urlaubsreise mit ihren Kindern leisten. Im Vergleich dazu müssen von der der Gesamtbevölkerung nur 19 Prozent ihren Urlaub unfreiwillig zu Hause verbringen.

Darüber hinaus hatten knapp zwei Drittel der Menschen in Alleinerziehenden-Haushalten (63 Prozent) nicht die finanziellen Mittel, unerwartete Ausgaben von etwa tausend Euro zu bestreiten. Das sind mehr als doppelt so viele als im Bevölkerungsdurchschnitt, wo die Quote bei 30 Prozent liegt. Insgesamt liegt das Pro-Kopf-Einkommen in Haushalten von Alleinerziehenden um knapp ein Fünftel niedriger als in Haushalten mit zwei Erwachsenen.

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Im Jahr 2017 gab es in Deutschland anderthalb Millionen Familien mit einem alleinerziehenden Elternteil. Das waren 200.000 mehr als vor 20 Jahren. Damit gibt es in rund jedem fünften Familienhaushalt nur einen Elternteil, in neun von zehn Fällen handelt es sich um eine alleinerziehende Mutter. 2,4 Millionen Kinder wachsen in einem Haushalt mit einem alleinerziehenden Elternteil auf.

Auf dem Arbeitsmarkt haben es gerade alleinerziehende Mütter schwer. 27 Prozent von ihnen waren 2017 ohne Beschäftigung. Mehr als die Hälfte davon - 55 Prozent - war aber an der Aufnahme einer Arbeit interessiert. Als Hinderungsgrund gaben die Frauen familiäre oder persönliche Gründe an, ein großes Problem sind fehlende Betreuungsmöglichkeiten für Kinder. Zum Vergleich: Von den in einer Partnerschaft lebenden nicht-erwerbstätigen Müttern wollten nur 29 Prozent eine Arbeit aufnehmen.

Insgesamt habe sich die Lage der Alleinerziehenden in den vergangenen Jahren verbessert, konstatierte Thiel. "Da ist schon viel geschehen", sagte er und verwies unter anderem auf den Ausbau der Kinderbetreuung und bessere Angebote zur Teilzeitarbeit. Es gebe aber noch Luft nach oben: "Ich glaube, da kann noch mehr getan werden."

Auch die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, sprach von Verbesserungen für Alleinerziehende in den vergangenen Jahren. "Trotzdem bleibt die Situation Alleinerziehender prekär." Bentele forderte eine bessere und bezahlbare Kinderbetreuung und familienfreundliche Arbeitszeitmodelle.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) sprach Alleinerziehenden am Donnerstag "Wertschätzung und Anerkennung" aus - und versprach weitere Unterstützung. So verwies sie auf die im Koalitionsvertrag vereinbarte Reform des Kinderzuschlags. "Er soll gerade Alleinerziehenden künftig mehr zugutekommen." Mit dem Gute-Kita-Gesetz investiere der Bund zudem zwischen 2019 und 2022 zusätzlich 5,5 Milliarden Euro in die frühkindliche Bildung, erklärte Giffey.
(AFP, dpa, Tsp)

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