Bericht der UN : Afghanische und US-Truppen töten erstmals mehr Zivilisten als die Taliban

Ein UN-Bericht stellt fest: Die von den USA unterstützten afghanischen Truppen scheinen in einem rechtsfreien Raum zu agieren.

In den ersten Monaten des Jahres kamen mehr Zivilisten durch afghanische und internationale Soldaten ums Leben als bei Angriffen Aufständischer.
In den ersten Monaten des Jahres kamen mehr Zivilisten durch afghanische und internationale Soldaten ums Leben als bei Angriffen...Foto: AFP

Zum ersten Mal seit Erfassung der Daten sind in Afghanistan mehr Zivilisten durch Truppen der USA und ihrer Verbündeten getötet wurden als durch die Taliban und andere Rebellengruppen. Während der ersten drei Monate dieses Jahres seien internationale und regierungstreue Truppen für den Tot von 305 Zivilisten verantwortlich gewesen, erklärte die UN-Mission in Afghanistan (Unama) in ihrem am Mittwoch veröffentlichten vierteljährlichen Bericht. Aufständische töteten demnach im selben Zeitraum 227 Menschen. Mehr Tote gab es vor allem durch Luftangriffe und bei Suchoperationen.

49 Zivilisten kamen im Kreuzfeuer und bei anderen Vorfällen um und wurden keiner Seite zugezählt.

Die meisten Tötungen erfolgten laut Unama durch Luftangriffe oder Suchaktionen am Boden. Die von den USA unterstützten afghanischen Truppen schienen dabei in einem rechtsfreien Raum zu agieren, konstatiert der Bericht.

Seit US-Präsident Donald Trump im Jahr 2017 die Bombardierung von Positionen der Taliban durch US-Kampfflugzeuge erleichterte, erhöhte das US-Militär den Einsatztakt.

Der jüngste Bericht zeigt jedoch auch, dass die Zahl der zivilen Opfer im Vergleich zum Vorjahreszeitraum insgesamt um 23 Prozent gesunken ist. Demnach dokumentierte Unama im ersten Quartal 1773 zivile Opfer, darunter 581 Tote und 1192 Verletzte. Das sind die niedrigsten Zahlen in den ersten drei Monaten seit 2013.

Grund für die niedrigeren Zahlen ist laut Unama vor allem der Rückgang an Selbstmordanschlägen. Ob dies am harten Winter liegt oder eine Strategie der Taliban während der laufenden Friedensgespräche ist, bleibt unklar.

Unama erfasst seit 2009 Daten zu zivilen Opfern im Afghanistankrieg. Im vergangenen Jahr hatte die Zahl ziviler Opfer in Afghanistan einen neuen Höchststand erreicht. 2018 wurden bei Anschlägen und Gefechten 3804 Zivilisten getötet und 7189 weitere verletzt. Das waren elf Prozent mehr als 2017. (AFP,dpa)

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