• Bundespräsident Steinmeier: „Es reicht nicht aus, 'kein Rassist' zu sein. Wir müssen Antirassisten sein“

Bundespräsident Steinmeier : „Es reicht nicht aus, 'kein Rassist' zu sein. Wir müssen Antirassisten sein“

Der Bundespräsident fordert im Einsatz gegen Rassismus mehr persönliches Engagement. Antirassismus müsse gelernt und geübt werden, sagte er in Berlin.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa Pool/dpa

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die deutsche Gesellschaft aufgefordert, aktiv gegen Rassismus einzutreten und auch das eigene Verhalten kritisch zu überprüfen. „Es reicht nicht aus, „kein Rassist“ zu sein. Wir müssen Antirassisten sein“, sagte er am Dienstag bei einer Diskussionsrunde im Schloss Bellevue. 

„Rassismus erfordert Gegenposition, Gegenrede, Handeln, Kritik und - vielleicht am schwierigsten - Selbstkritik, Selbstüberprüfung. Antirassismus muss gelernt, geübt, vor allem aber gelebt werden.“

Hintergrund der Veranstaltung war der Fall des schwarzen US-Bürgers George Floyd, der bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis (Minnesota) getötet worden war. Seitdem wird auch in Deutschland verstärkt über Rassismus diskutiert. Zehntausende Menschen gingen auf die Straße, um gegen Rassismus zu protestieren.

Steinmeier betonte, auch in Deutschland kenne man Fälle von Gewalt gegen Schwarze in Gefängnissen und von ungeklärten Todesfällen in der Haft.

"Versprechen von Respekt ist noch lange nicht für alle erreicht" 

Er sei aber überzeugt: „Die Polizei und Sicherheitskräfte in unserem Land sind vertrauenswürdige Vertreter des Staates. Ausnahmen von dieser Regel sind Ausnahmen geblieben. Polizei und Sicherheitskräfte verdienen unseren Respekt, sie verdienen unsere Unterstützung.“ Auch deshalb sei es richtig, dass die Bundesregierung eine Studie zum sogenannten Racial Profiling in Auftrag gebe.

Steinmeier ging auch auf die aktuelle Debatte über den Begriff „Rasse“ im Grundgesetz ein. Die Diskussion, ob dies heute noch zeitgemäß formuliert sei, sei zunächst einmal legitim. 

„Ich wünsche mir allerdings, dass diese Debatte uns vor allem dafür die Augen öffnet, dass das Ziel, das Versprechen von gleicher Würde, von Respekt, Recht und Freiheit, noch lange nicht für alle Menschen in Deutschland Realität ist.“ (dpa/epd)

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