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Caracas : Venezuela weist deutschen Botschafter aus

Der Diplomat hatte Guaidó am Flughafen empfangen. Venezuela wertet das als Einmischung in innere Angelegenheiten. Jetzt muss er innerhalb 48 Stunden ausreisen.

Daniel Kriener, Botschafter der Deutschen Botschaft in Caracas
Daniel Kriener, Botschafter der Deutschen Botschaft in CaracasFoto: Rafael Hernandez/dpa

Die venezolanische Regierung weist den deutschen Botschafter in Caracas aus. Daniel Kriener habe sich in die inneren Angelegenheiten Venezuelas eingemischt und werde deshalb zur unerwünschten Person erklärt, teilte das Außenministerium am Mittwoch auf seiner Internetseite mit. Der Diplomat müsse das südamerikanische Land deshalb innerhalb von 48 Stunden verlassen. Kriener ist erst seit vergangenem Jahr in Venezuela.

„Venezuela sieht es als inakzeptabel an, dass ein ausländischer Diplomat sich in seinem Territorium eher wie ein politischer Führer verhält, in Übereinstimmung mit der Verschwörungsagenda der extremistischen Sektoren der venezolanischen Opposition“, hieß es in der Erklärung des Außenministeriums.

Maas lobt Botschafter

„Wir haben die Entscheidung, Botschafter Kriener zur „persona non grata“ zu erklären, zur Kenntnis genommen“, erklärte der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) am Abend. Er habe entschieden, den Botschafter zu Konsultationen zurück nach Hause zu rufen. Die Ausweisung nannte er eine „unverständliche Entscheidung, die die Lage verschärft und nicht zur Entspannung beiträgt“. Die europäische Unterstützung für Juan Guaidó sei ungebrochen. Botschafter Kriener leiste in Caracas, auch gerade in den letzten Tagen, hervorragende Arbeit, so der Minister.

Kriener hatte am Montag gemeinsam mit anderen Diplomaten aus Europa, Lateinamerika und den USA den selbst ernannten Interimspräsidenten Juan Guaidó am Hauptstadtflughafen Maiquetía erwartet. Damit wollten sie offenbar verhindern, dass der Oppositionsführer bei seiner Rückkehr ins Land festgenommen wird.

"Wir wollten helfen"

„Wir wollen helfen und unterstützen, dass er sicher zurückkehrt“, hatte Kriener im Fernsehsender NTN24 gesagt. Guaidós Rückkehr nach Venezuela sei „ein Schritt hin zu einem politischen und friedlichen Prozess zur Überwindung der Krise in Venezuela“, twitterte die Deutsche Botschaft in Caracas. Guaidó bedankte sich später für die Unterstützung der Diplomaten.

Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte, das Kriener zur unerwünschten Person erklärt wurde. „Wir stimmen derzeit das weitere Vorgehen ab, auch vor Ort mit unseren Partnern“, sagte eine Sprecherin am Mittwoch.

„Venezuela ist frei und unabhängig. Deshalb sind Handlungen von diplomatischen Vertretern, die eine Einmischung in die Angelegenheiten des Volkes und der Regierung darstellen, nicht erlaubt“, teilte das venezolanische Außenministerium weiter mit.

Erbitterter Machtkampf

In dem südamerikanischen Land tobt seit Wochen ein erbitterter Machtkampf zwischen Maduro und Guaidó. Der junge Abgeordnete hatte sich am 23. Januar zum Interimspräsidenten erklärt und den Staatschef damit offen herausgefordert. Zahlreiche Staaten, darunter auch Deutschland, haben Guaidó bereits als rechtmäßigen Übergangspräsidenten anerkannt.

Zuletzt scheiterte sein Versuch, Hilfsgüter von Kolumbien und Brasilien aus nach Venezuela zu bringen. An den Grenzübergängen kam es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Oppositionsanhängern und Sicherheitskräften. Dabei wurden mehrere Menschen getötet und Hunderte verletzt.

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Das ölreichste Land der Welt leidet unter einer schweren Wirtschafts- und Versorgungskrise. Aus Mangel an Devisen kann Venezuela kaum noch Lebensmittel, Medikamente und Dinge des täglichen Bedarfs für die Not leidende Bevölkerung einführen. Viele Menschen hungern, über drei Millionen Venezolaner haben ihre Heimat bereits verlassen. (dpa, Reuters)

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