Der Kirchentag ist zu Ende : Die Veränderung muss jetzt kommen

Nur Reden reicht nicht mehr, die Menschen werden sonst ungehalten. Wenn die Kirche wirklich Seenotretterin würde, passt das in Bild und ist ein kluger Plan. Ein Kommentar.

Gottesdienst auf Fußballgrün: Zum Abschluss des 37. Kirchentages gab es den Segen im Stadion von Borussia Dortmund.
Gottesdienst auf Fußballgrün: Zum Abschluss des 37. Kirchentages gab es den Segen im Stadion von Borussia Dortmund.Foto: epd

Was für ein Event! 121.000 Besucher, 2399 Veranstaltungen, 223 Orte, 5000 freiwillige Helfer – das war der 37. Evangelische Kirchentag in Dortmund. Eine Stadt, offen für die Gläubigen und für Treffen des Glaubens. So soll es sein. Auch. Ein Kirchentag ist vieles, und vieles mehr als ein Glaubensfest. Ein Laientreffen wird es genannt, doch nur schon die Organisation erfordert Professionalität. Und genutzt wird es nicht nur zur Selbstvergewisserung einer Kirche auf der Suche nach dem Weg in die Zukunft, sondern auch von denen, die Glauben oft als Privatsache bezeichnen: den Politikern. Höchst professionell.

Denn hier, auf dem Kirchentag, erreichen sie mehr Menschen, Wähler, in gesittetem Diskurs als sonst irgendwo. Wenn das kein Geschenk ist. Sogar eines für die gesamte Gesellschaft.

Zu viel Streitarmut!, klagten manche

Nun gibt es auch kritische Stimmen, die sagen, Streitarmut sei kein zukunftsweisendes Konzept, der Wunsch nach Übereinstimmung sei zu groß, die politische Einseitigkeit übertrieben. Wo bleibe, zum Beispiel, das Konservative? In der Vielfalt der Podien fand es sich auch. Wo aber Veränderungen mit Visionen und Tatkraft angemahnt werden, wo von vielen drängend Lösungen bei den Themen Klimawandel oder Migration angemahnt werden, ist das Beharrende gerade nicht Favorit.

Der Begriff von der „Bewahrung der Schöpfung“ wird zunehmend fordernd gedeutet. Das für links zu halten, wäre ein Irrglaube. Auch darin liegt, wie Matthäus sagt, ein Zeichen der Zeit, das erkannt werden will: Es geht um Glaube, Hoffnung, Veränderung. Darin liegt Progressives im Wortsinn.

Die Kirche als Seenotretterin

Mag der Ton versöhnlich gewesen sein, weil die Mehrheit in Dortmund sich einig war – je länger Veränderung ausbleibt, desto ungehaltener werden eben diese Menschen. Und zwar nicht allein die Gläubigen, die auf dem Kirchentag waren, sondern die Millionen, die sich (noch immer) hinter ihnen in den Kirchen versammeln. Was für ein Vertrauen!

Ein Beispiel: die Resolution, vom Grünen Sven Giegold mit Kirchentagsverantwortlichen angestoßen, zur Seenotrettung im Mittelmeer. Abertausende tote Flüchtlinge – da soll die Kirche jetzt ein eigenes Schiff entsenden, um dem Elend entgegenzusteuern. Ein passendes Bild, ein kluger Plan. Wenn Kirche in diesem Sinn politisch wird, humanitär, für Menschen in Not, fordert sie die Politik zu professionellem Mittun heraus.

Das kann ein Segen sein. Die Kirche, die an Mitgliedern verliert, zeigt damit ihren Wert. Für die gesamte Gesellschaft.

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