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Benjamin Adijei zusammen mit Grünen-Parteifreundin Sophie Harper bei der NoPAG-Demo am 11. Mai in München.
© Henrike Hahn

Jung, grün, Direktmandat: "Der Zuspruch war immer spürbar. Das hat unglaublich Spaß gemacht"

Benjamin Adjei zieht in München als jüngster Grüner per Direktmandat in den Landtag ein. Er sagt: "Eine echte Kurskorrektur gäbe es nur mit uns."

Von Ruth Ciesinger

Benjamin Adjei hat am Sonntag mit München-Moosach eines von fünf Direktmandaten für die Grünen in München gewonnen. Der 28-Jährige Data-Scientist ist am Schliersee aufgewachsen und hat in Taufkirchen Informatik und angewandte Mathematik studiert. Am Montag nach der Wahl reiht sich Interview an Gremiensitzung.

Herr Adjei, Sie sind der Jüngste aus ihrer Partei, der direkt in den Landtag gewählt wurde. Wie fühlt sich das an?

Toll! Dass ich über das Direktmandat in den Landtag komme, bedeutet ja neben dem großen Zuspruch auch einen echten Vertrauensvorschuss. Ich habe noch nicht durch entsprechende Arbeit im Landtag überzeugen können, sondern die Leute trauen es mir zu, dass ich es gut machen werde. 

Sie haben gegen die CSU-Landtagsabgeordnete Mechthild Wittmann gewonnen, die auch Integrationsbeauftragte in der Regierung von Markus Söder war. Warum waren Sie überzeugender?

Das fragen Sie besser die Wählerinnen und Wähler. Aber wir haben insgesamt als Grüne starken Rückenwind gehabt und als Partei ein gutes Ergebnis erreicht. Vielleicht ist bei den Wählern gut angekommen, dass wir nicht alles schlecht geredet haben, sondern vor allem versucht haben, positive Inhalte zu setzen und Lösungen anzubieten. Ich bin jung - vielleicht hat das den Leuten auch gefallen, die Veränderung und Wechsel wollen. 

Mit welchen Themen sind Sie im Wahlkampf bei den Bürgerinnen und Bürgern besonders gut angekommen?

Mir sind Zukunftsthemen wie Verkehr und Digitalisierung wichtig, das hat viele Menschen interessiert: Welche Verkehrskonzepte stellen wir uns in Zukunft vor, wie machen wir uns die Digitalisierung zu Nutzen? Und ich habe auch klar auf Europa gesetzt, anderes als der Ministerpräsident, der das Ende des Multilateralismus erkannt haben wollte. 

Warum sind die Grünen gerade bei jungen Wählern in den Städten so erfolgreich?

Vielleicht genau wegen dieser Zukunftsthemen. Was in 30 Jahren passiert, betrifft junge Menschen ganz unmittelbar. Die CSU hat da eher zurückgeblickt und festgestellt, dass Bayern schön ist und sich eigentlich gar nichts ändern muss. Das hat offenbar weniger überzeugt.

Haben Sie damit gerechnet, in den Landtag zu kommen?

Ich habe schon gedacht, dass es über die Liste etwas werden könnte. Dass ich das Direktmandat schaffen könnte, hat sich erst ganz zum Schluss angedeutet. Der Zuspruch der Menschen war aber immer ganz deutlich spürbar im Wahlkampf und an den Infoständen, auch in Gegenden, wo die Grünen normalerweise nicht besonders stark sind. Im Hasenbergl zum Beispiel sind die Leute auf uns zugekommen und waren offen und interessiert - das hat unglaublich Spaß gemacht.

Was wäre jetzt besser für Bayern - eine Koalition zwischen CSU und den Grünen oder eine Koalition der CSU mit den Freien Wählern?

Eine Koalition zwischen CSU und Freien Wählern wäre keine Veränderung im Vergleich zum Status Quo. Wir Grüne wollen gestalten und Verantwortung für unser schönes Land übernehmen.

Was wäre besser für die Grünen?

Wir Grüne haben starke Inhalte und überzeugende Konzepte. In der Regierung können wir gestalten und wir haben von Wählerinnen und Wählern klar einen Auftrag bekommen. Grüne Inhalte durchzusetzen ist der Maßstab, und da kann es schwierig werden mit der CSU. Zudem bräuchten wir auf CSU-Seite entsprechende Personen, denen wir vertrauen können, dass sie sich an Abgesprochenes auch halten - so wie Barbara Stamm zum Beispiel. Es wird jetzt aber erst einmal interessant, wer sich in der CSU durchsetzt. Es gibt ja durchaus Leute dort, die sagen, mit der bisherigen Strategie haben wir Rechts weniger gewonnen, als wir in der Mitte verloren haben. Eine echte Kurskorrektur gäbe es jedenfalls nur mit den Grünen.

Das Gespräch führte Ruth Ciesinger

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