• Deutscher Botschafter zurück in Venezuela: Daniel Kriener fällt erneut die Mittlerrolle zu

Deutscher Botschafter zurück in Venezuela : Daniel Kriener fällt erneut die Mittlerrolle zu

Der deutsche Botschafter Daniel Kriener kehrt nach Venezuela zurück. Er bleibt eine Idealbesetzung. Ein Porträt.

Der deutsche Diplomat Daniel Martin Kriener
Der deutsche Diplomat Daniel Martin KrienerFoto: Marco Bello / REUTERS

Er hat es immer gewusst. Am 6. März war Daniel Kriener von der Regierung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro des Landes verwiesen worden. „Ich werde irgendwann zurückkehren, wir halten die Gesprächskanäle zu allen Seiten offen“, hatte der deutsche Botschafter wenige Tage nach seiner Ausweisung gegenüber dem Tagesspiegel gesagt. Nun ist er wieder in Caracas eingetroffen.

Maduro hatte ihm Parteinahme für den selbst ernannten Interimspräsidenten Juan Guaidó vorgeworfen. Den hatte Kriener mit anderen Diplomaten demonstrativ vor einer Festnahme bewahren wollen. Das Auswärtige Amt aber hatte nie akzeptiert, dass der Botschafter zur Persona non grata erklärt worden war. Um dies auch in der Sprache der Diplomatie deutlich zu machen, beorderte Außenminister Heiko Maas ihn einfach zur Berichterstattung nach Berlin.

Jetzt nimmt das venezolanische Außenministerium die Ausweisungsnote zurück. Bedingungen seien dafür nicht gestellt worden, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Die Initiative habe alleine beim venezolanischen Außenministerium gelegen.

Der 60-jährige Daniel Kriener hatte seinen Posten in Caracas erst im September 2018 angetreten. Zuvor war er vier Jahre lang im Auswärtigen Amt Leiter des Referates für die Andenstaaten gewesen. Es bedurfte also keiner Lageberichte vom Werderschen Markt, um ihn auf die prekäre Situation Venezuelas vorzubereiten. Dessen sozialistischer Präsident Chávez hatte von seiner Amtsübernahme 1999 an die Einnahmen eines der ölreichsten Länder der Welt für umfangreiche Sozialprogramme genutzt und damit auch lange benachteiligte Schichten am allgemeinen Wohlstand teilhaben lassen. Als der Ölpreis nach 2012 zusammenbrach, fehlten dem zum Volkshelden gewordenen, aber krebskranken Chávez – er starb 2013 – jedoch Wille und Kraft zu einer wirtschaftspolitischen Kursänderung. Daniel Kriener kam 2018 also in ein marodes und durch bürgerkriegsähnliche Unruhen zerrüttetes Land.

Vom sozialen Impetus her war Kriener die ideale Wahl für den Posten in Caracas. Der 1960 in Beirut als vierter von fünf Söhnen eines deutschen Auslandsgeistlichen Geborene meldete sich nach dem Abitur als Freiwilliger zur Aktion Sühnezeichen und studierte unter anderem Politik und Geschichte. Gut vorstellbar, dass die deutsche und auch die venezolanische Politik ihm nun eine Mittlerrolle zugedacht haben.

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