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„Die Klimakrise ist eine Klassenfrage“: Grüne Jugend will Reiche stärker für Klimaschutz zahlen lassen
Grüne-Jugend-Chefin Held fordert auf dem Bundesparteitag höhere Beiträge der Reichen zum Klimaschutz. Parteichef Banaszak warnt davor, Menschen mit geringem Einkommen mit Maßnahmen zu verprellen.
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Die Vorsitzende der Grünen Jugend, Henriette Held, will Reiche mehr für den Klimaschutz zahlen lassen. „Die Klimakrise ist eine Klassenfrage“, sagte sie am Samstag beim Grünen-Bundesparteitag in Hannover. „Es sind die Überreichen, die ihrer Verantwortung nicht gerecht werden.“ Es müsse deshalb „über Umverteilung“ gesprochen werden, zudem müssten Unternehmen zur Verantwortung gezogen werden. Auch Grünen-Parteichef Felix Banaszak will Besserverdiener zur Kasse bitten.
Ziel sei „ein Klimaschutz, der sozial und gerecht ist“. Held forderte vor diesem Hintergrund auch die Wiedereinführung des Neun-Euro-Deutschlandtickets. „Es macht einen Unterschied, ob man 60 Euro, 49 oder neun für den Bus ausgibt“, betonte die Grüne-Jugend-Chefin. „Mobilität darf kein Luxus sein.“
Grünen-Chef will Menschen mit geringem Einkommen nicht verprellen
Zuvor hatte Banaszak gesagt, dass die Grünen hart arbeitende Menschen mit ihren Konzepten für den Klimaschutz nicht vor den Kopf stoßen dürfen. Den Delegierten erklärte der aus Duisburg stammende Grünen-Chef, für diese Menschen bedeute ein eigenes Auto oft „Freiheit“, und sie müssten lange für eine Flugreise in den Süden sparen.

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Er könne etwa verstehen, wenn solche Menschen auf Begriffe wie „Flugscham“ reagierten, indem sie sagen: „Moment mal, ich lebe hier mit meiner Familie auf 65 Quadratmetern, ich spare mir jeden Monat alles ab, was ich mir absparen kann, ich gehe nicht auswärts essen, ich kann nicht einmal die Geschenke kaufen, die sich meine Kinder wünschen zu Weihnachten und zum Geburtstag und Ostern gibt es erst mal gar nichts, damit ich einmal im Jahr die Chance habe, mit ihnen nach Malle zu fliegen, und dafür soll ich mich schämen?“
Die Rechnung für notwendige Klimaschutz-Maßnahmen, etwa im Gebäudebereich, müssten diejenigen bezahlen, die sich das leisten könnten. Das sei auch deshalb gerecht, weil diese mit ihrem Lebensstil deutlich mehr zur Erderwärmung beitrügen, argumentierte er.
Grünen-Chef beklagt gesunkenes Interesse an Klimaschutz
Banaszak sagte, er sehe, was den Kurs der Partei angeht, keinen Widerspruch zwischen „Geradlinigkeit und Erfolg“. „Links“ sei in diesen Zeiten für ihn kein Schimpfwort. Die Grünen sollten emotionale Heimat sein für viele Menschen, auch für Paketboten und Drogeriemarkt-Kassiererinnen.
Zugleich beklagt Banaszak das gesunkene Interesse der Bevölkerung und junger Menschen im Speziellen am Thema Klimaschutz. Aus seinen Gesprächen mit Jugendlichen habe er gelernt, dass Gründe dafür unter anderem der erstarkende Rechtsextremismus, der Ukraine-Krieg, der Krieg im Nahen Osten und steigende Preise seien.
Auch er selbst sei ursprünglich nicht wegen des Klimawandels zu den Grünen gestoßen, erzählt Banaszak. Die Bedeutung dieses Themas habe er erst nach der Geburt seiner Tochter richtig erkannt. Wenn er im Bundestag heute über die Erderwärmung spreche, stoße er bei den anderen Fraktionen auf Schweigen, Gähnen und hämisches Lachen. Er frage sich dann: „Liebe Leute, habt ihr nicht auch Kinder, habt ihr nicht auch Enkel?“ (AFP/dpa)
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