Ehemalige Unterschlüpfe von Extremisten : Erste Wahl in Pakistans Stammesgebieten

Jahrelang kamen hier Kämpfer der Terrororganisation Al-Kaida oder Taliban unter - nun wird in den Stammesgebieten in Pakistan ein Provinzparlament gewählt.

Ein Wähler bei der Abstimmung in Jamrud, Pakistan.
Ein Wähler bei der Abstimmung in Jamrud, Pakistan.Foto: REUTERS/Stringer

Erstmals in der 71-jährigen Geschichte Pakistans haben Menschen in den unsicheren Stammesgebieten im Nordwesten des Landes Vertreter für ein Provinzparlament gewählt. Mit einer Verfassungsänderung im Vorjahr waren die Sonderterritorien an der afghanischen Grenze, in denen jahrelang Extremisten Unterschlupf gefundene hatten, in die Nachbarprovinz Khyber-Pakhtunkhwa eingegliedert worden. Nach der Reform waren am Samstag knapp drei Millionen Menschen berechtigt, Abgesandte in das Provinzparlament von Khyber-Pakhtunkhwa zu wählen.

Fast 35 000 Sicherheitskräfte waren zur Sicherung der Wahlen abgestellt. 285 Kandidaten haben sich für die 16 Sitze im Provinzparlament beworben. Viele der sieben Bezirke der ehemaligen sogenannten Stammesgebiete unter Bundesverwaltung (Fata) hatten lange Jahre Kämpfer von Al-Kaida, pakistanische und afghanische Taliban beherbergt. Das Militär brauchte mehr als ein Jahrzehnt und mehrere Offensiven, um die Kontrolle über die Region zurückzugewinnen. Viele Extremisten wurden vertrieben oder getötet. Millionen Menschen wurden zu Binnenflüchtlingen. 

Die Verfassungsänderung war Analysten zufolge Teil eines Rehabilitierungsplans nach Jahren militärischer Offensiven. Große rechtlose Gebiete sollten eliminiert, Gefühle der Ausgrenzung und die schwere Armut gelindert werden. Davor hatten teils noch aus der Kolonialzeit stammende Gesetze gegolten, die etwa die Sippenhaft vorsahen und politische Aktivitäten untersagten.

Lange Schlangen vor Wahllokalen

Dass jetzt gewählt werden konnte, löste unter den Bewohnern vorsichtigen Optimismus aus. Fernsehbilder zeigten lange Schlangen vor Wahllokalen. Alle großen pakistanischen Parteien stellten Kandidaten. Es wurde erwartet, dass die regierende „Bewegung für Gerechtigkeit“ (Tehreek-e Insaaf/PTI) von Imran Khan den Großteil der Sitze gewinnt.

Auch Kandidaten, die der Aktivistengruppe „Bewegung für den Schutz der Paschtunen“ (Pashtun Tahafuz Movement/PTM) zugerechnet werden, nahmen an der Wahl teil. Die Paschtunen fühlen sich von der Regierung und den Sicherheitskräften drangsaliert. Das Militär unterhält dort zahlreiche Kontrollposten, immer wieder gibt es Ausgangssperren. Die meisten Taliban und ihre Anführer sind Paschtunen. (AFP)

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