Ex-Minister Norbert Blüm : "Wir reden über Flüchtlinge wie über Sachen"

„Mich schreckt der kaltschnäuzige Ton, den die CSU in der Asyldebatte angeschlagen hat“, schreibt der ehemalige Arbeitsminister Norbert Blüm in einem Zeitungsbeitrag.

Der ehemalige CDU-Arbeitsminister Norbert Blüm 2014 in einer ARD-Talkshow.
Der ehemalige CDU-Arbeitsminister Norbert Blüm 2014 in einer ARD-Talkshow.Foto: imago/Müller-Stauffenberg

Der ehemalige CDU-Arbeitsminister Norbert Blüm beklagt einen herzlosen Ton in der Debatte um die Aufnahme von Flüchtlingen und wirft der Union einen Abschied von ihren christlichen Wurzeln vor. „'Asylanten' sind keine Kartoffel- oder Mehlsäcke, über deren sachgemäße Lagerung man streitet“, schreibt Blüm in einem Gastbeitrag für die „Süddeutsche Zeitung“ (Freitag). „Wir reden über Flüchtlinge wie über Sachen und verstecken den Skandal der Herzlosigkeit in kalten Statistiken“, kritisierte der Katholik. Mich schreckt der kaltschnäuzige Ton, den die CSU in der Asyldebatte angeschlagen hat“, schreibt Blüm und fragt: „Wo, C, bist du geblieben?“ Das C im Parteinamen sei „kein Besitzanspruch an Wähler, sondern eine Selbstverpflichtung der Partei, ihre Politik an der Botschaft des Christentums zu messen“.

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Wer sich nur einen Funken menschlichen Mitleids bewahrt habe, könne „über die Flüchtlinge nicht so kaltherzig schwadronieren, wie es in der übergroßen Koalition zwischen altem Stammtisch und neuem rechten Establishment gang und gäbe ist“, betonte der 82-Jährige, der im Jahr 2016 eine Nacht bei Flüchtlingen an der abgeriegelten griechisch-mazedonischen Grenze verbracht hatte.

„Wenn 500 Millionen Europäer keine fünf Millionen oder mehr verzweifelte Flüchtlinge aufnehmen können, dann schließen wir am besten den Laden 'Europa' wegen moralischer Insolvenz“, schlug Blüm vor. „Wir, die Bewohner der Wohlstandsinsel Europa, sind die Hehler und Stehler des Reichtums der sogenannten Dritten Welt“, argumentierte der CDU-Politiker: „Auf deren Kosten und Knochen haben wir uns bereichert.“

Zugleich verteidigte Blüm Nichtregierungsorganisationen, die sich um Flüchtlinge kümmern. Diese seien „Lebensretter, die für das Versagen der Staaten einspringen“, erklärte er. (epd)

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