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Anlässlich des Frauentags wurde der Name des U-Bahnhof Hermannstraße in Berliner-Neukölln mit FrauFrau überklebt.
© imago images/snapshot

Beleidigungen, Hass-Mails und Belästigung: Frauen in der Kommunalpolitik – unterrepräsentiert und angefeindet

Laut einer Umfrage sind nur neun Prozent der deutschen Bürgermeister:innen weiblich. Häufiger als Männer sind sie einem „schmutzigen Wahlkampf“ ausgesetzt.

Von Stephan-Andreas Casdorff

Frauen stellen mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung – aber mit der politischen Repräsentanz hapert es immer noch gewaltig. Beispiel Deutschland: Gerade einmal neun Prozent der Bürgermeister:innen sind Frauen. Der Anteil im Osten des Landes fiel früher höher aus, 30 Jahre nach der Einheit haben sich die Verhältnisse aber dem Westen angeglichen – auf niedrigerem Niveau.

In Deutschland gibt es insgesamt rund 11.000 Kommunen. Die repräsentative Befragung im gesamten Bundesgebiet wurde vom Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der EAF Berlin - der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft - und in Partnerschaft mit der Zeitschrift „Kommunal“ durchgeführt. „Kommunal“ ist Europas größtes Magazin für Kommunalpolitik und erreicht etwa 300.000 Leser, darunter 10.800 Bürgermeister:innen.

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Die Umfrage wurde im September 2020 bei 1100 Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern in Kommunen mit mindestens 1000 Einwohner:innen vorgenommen, ihre Ergebnisse sind bis heute aktuell.

Unterschiede zeigten sich unter anderem hinsichtlich der Gemeindegröße. Grundsätzlich gilt demnach: Je kleiner die Gemeinde, desto höher der Anteil der Frauen. Unter 500 Einwohner:innen sind es zehn Prozent, über 20.000 nur noch sechs Prozent. Das heißt: Frauen üben das Amt verhältnismäßig häufiger als Ehrenamt aus, fast jede zweite Bürgermeisterin, aber nur jeder vierte Bürgermeister.

Insgesamt ist der Zeitaufwand für Bürgermeister:innen im Ehrenamt beträchtlich: Zwischen 20 und 40 Stunden pro Woche arbeiten 58 Prozent. Mehr als ein Drittel der Befragten gibt an, dass sie auf dem Weg ins Bürgermeisteramt bei der ersten Wahl Schwierigkeiten überwinden  mussten. Das war so bei jeder zweiten Frau, allerdings nur bei jedem dritten Mann, bei jüngeren durchschnittlich mehr als bei älteren.

Dabei sahen sich Frauen (27 Prozent) deutlich häufiger als Männer (17 Prozent) mit einem „schmutzigen Wahlkampf“ und persönlichen Angriffen konfrontiert. Jede vierte der Frauen, die Widerstände erlebten, traf auf Vorbehalte aufgrund ihres Geschlechts und wegen Sexismus. In Ostdeutschland kam das tendenziell seltener vor.

Die in „Kommunal“ veröffentlichte Studie zeigt, dass Bürgermeister:innen verstärkt Angriffe auf ihre Person erfahren, in Form von Beleidigungen, Hass-Mails oder sogar Tätlichkeiten.

64 Prozent von 2494 befragten Bürgermeister:innen wurden beleidigt, beschimpft oder bedroht, Frauen (76 Prozent) mehr als Männer (67). Jede zehnte Frau erlebte auch sexuelle Belästigung. Die männlichen Bürgermeister können auf insgesamt mehr Amtszeiten blicken als die befragten Bürgermeisterinnen. Die befinden sich mehrheitlich in ihrer ersten Amtszeit, vergleichsweise seltener bereist in einer dritten oder vierten.

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