zum Hauptinhalt
So soll er die Säle wieder rocken - Friedrich Merz in Vor-Coronatagen

© Martin Schutt / dpa

Tagesspiegel Plus

Laschets Herz für Merz: Der Leise und der Lautsprecher – kann das gutgehen?

Armin Laschet holt Friedrich Merz in sein Team. Er braucht das Zugpferd im Wahlkampf, aber Merz ist genauso auf den einstigen Rivalen angewiesen.

Von Robert Birnbaum

Die Idee, mit Friedrich Merz im Team in den Wahlkampf zu ziehen, findet Markus Söder erkennbar eher mittelprächtig. Am Dienstagabend hat CDU-Chef Armin Laschet in einer Schaltkonferenz mit der CDU Baden-Württemberg angekündigt, dass er den einstigen Rivalen an seine Seite holen wird.

Anderntags ist Söder virtueller Frühstücksgast beim Berliner Unternehmerverband VBKI. Was er von der Personalie halte, wird er gefragt. „Das muss vor allem der Kanzlerkandidat beurteilen“, sagt Söder. Enthusiasmus klingt anders.

Merz rockt jede CDU-Wahlversammlung

Dabei ist Laschets Zug alles andere als eine Überraschung. Merz war ihm im Rennen um den CDU-Vorsitz nur knapp unterlegen, hat an der Basis und vor allem im Osten zahlreiche Bewunderer und rockt, wenn das mal wieder möglich wird, problemlos jede CDU-Versammlung.

„Friedrich Merz gehört für mich fest in den Mannschaftskader der Union für die Bundestagswahl“, verkündete Laschet denn auch der Südwest-CDU. Die Union habe Deutschland schon durch viele Krisen erfolgreich geführt, „mit den richtigen Konzepten und den besten Köpfen“. Und für ihn gehöre Merz dazu.

Armin Laschet, CDU-Chef und Kanzlerkandidat

© Tobias Schwarz / AFP

Das Videomeeting war Teil der Goodwill-Tour des Kandidaten durch seine Landesverbände. In Baden-Württemberg hatten viele auf Söder gesetzt, so wie sie vorher auf Merz als CDU-Chef gehofft hatten. Laschets Ankündigung, nicht zufällig gerade vor diesem Publikum, kommt einem Versöhnungsangebot an die Konservativen in der Partei gleich.

Außerdem half sie Landechef Thomas Strobl ein bisschen aus der Verlegenheit. Dem nahmen es die Söder-Truppen im Ländle übel, dass er in der entscheidenden Sitzung des CDU-Vorstands hinter Laschet stand. Jetzt konnte Strobl versöhnlich konstatieren: „Armin Laschet und Friedrich Merz sind eine Union.“

Ganz so romantisch liegt der Fall allerdings nicht. Da finden sich zwei zusammen, die wechselseitig aufeinander angewiesen sind. Merz hat Laschet schon während des Machtkampfs mit Söder massiv unterstützt. Dahinter steckte Eigeninteresse. Unter einem Kanzler aus Bayern wären seine Chancen auf ein Ministeramt deutlich geringer.

Seit dem Parteitag ist er der Chef - Friedrich Merz und Armin Laschet

© Michael Kappeler / dpa

Hätte Laschet sich hingegen doch nicht durchgesetzt, hätte Merz – frisch ausgewiesen als treuer Parteisoldat – doch noch CDU-Chef werden können. Als es für den NRW-Ministerpräsidenten im Kandidatenringen zwischenzeitlich schlecht aussah, meldeten sich denn auch prompt „Unterstützerkreise“ via „Bild“ mit der Botschaft, Merz stünde gegebenenfalls bereit.

Dass Laschet umgekehrt Merz braucht, ist offenkundig. „Nur im Team gewinnen wir“, sagt er selbst. Die CDU in Sachsen-Anhalt fleht für die Landtagswahl am 6. Juni um Hilfe. Der Konservative aus dem Sauerland gilt dort als schärfste Waffe gegen die AfD.

Aber auch für die Bundestagswahl ist der mühsam gekürte Kanzlerkandidat auf jede Unterstützung angewiesen. Seine eigenen Umfragewerte bleiben mau, die Grünen bleiben auch in seriösen Erhebungen auf der Überholspur. Laschet kann nur hoffen, dass in den Zahlen viel Frust von Söder-Fans steckt, der bis zum Herbst vergessen ist.

Der Prophet gilt weniger im eigenen Land

Söder immerhin bemüht sich nach der ersten Vergeltungskanonade jetzt um Zurückhaltung. Das mag damit zu tun haben, dass in der jüngsten Insa-Umfrage auch in Bayern die Grünen gerade stark anziehen und die CSU um zehn Prozent auf für sie katastrophale 36 Prozent abstürzt.

Markus Söder, mäßig begeistert

© Matthias Balk / dpa

Beim einem, der Umfragen zum Maßstab gemacht hat, muss das doppelt bitter wirken. Jedenfalls verspricht er bei den Berliner Unternehmern, der Armin und er, „wir werden uns da unterhaken“. Und fügt fast entschuldigend hinzu: „Nach so einer Entscheidung – das muss man erst mal sacken lassen. Aber wir kriegen das schon hin.“

Er habe nur den „Wunsch“, dass die Union mit einem „modernen Programm“ in den Wahlkampf ziehe. Weil, sagt Söder, er habe 2018 als frischbackener Ministerpräsident ein Wahlprogramm schreiben lassen, bei dem sie in der CSU mit der Zunge geschnalzt hätten vor Freude. Bloß die Wähler anschließend nicht.

Vielleicht hängt mit dieser Erfahrung Söders Skepsis gegen Merz zusammen. Der tritt als offensiver Kämpfer gegen Gender-Sprache auf und fordert, „wieder eine stinknormale bürgerliche Politik“ zu machen.

Söder wittert gleich die Gefahr. Solche Sprüche können das modernste Programm diskreditieren, zumal in Zeiten von Twitter, Facebook und Co. Merz ist ohnehin bekannt dafür, dass mit ihm gelegentlich die Gäule durchgehen. Im Wahlkampf, in dem jedes Wort auf der Goldwaage landet, kann das dann schnell im Graben enden.

Und was übrigens Merzens Wirtschaftskompetenz angeht: „Er hat sehr große Erfahrung in den Kapitalmärkten“, bescheinigt Söder dem Ex-Blackrock-Aufsichtsrat. Klingt auch nicht gerade nach großer Begeisterung.

Zur Startseite

showPaywall:
false
isSubscriber:
true
isPaid:
true
showPaywallPiano:
false