Für eine Million Euro : Öko-Suchmaschine Ecosia will RWE den Hambacher Forst abkaufen

Kaufangebot für Hambacher Forst: In einem Schreiben an RWE-Chef Rolf Martin Schmitz bietet Öko-Suchmaschine Ecosia eine Million Euro für den Wald.

Nach dem vorläufigen Rodungsstopp im Hambacher Forst wollen die Betreiber der Suchmaschine Ecosia RWE den Wald abkaufen.
Nach dem vorläufigen Rodungsstopp im Hambacher Forst wollen die Betreiber der Suchmaschine Ecosia RWE den Wald abkaufen.Foto: Federico Gambarini/dpa

Nach dem vorläufigen Rodungsstopp im Hambacher Forst wollen die Betreiber der Suchmaschine Ecosia dem Energiekonzern RWE den Wald abkaufen. Ein Angebot über eine Million Euro für die verbliebenen 200 Hektar Wald habe das im Umweltschutz engagierte Unternehmen am frühen Dienstagmorgen per Fax an RWE geschickt, sagte Génica Schäfgen von Ecosia. Es liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Das Angebot sei gültig bis zum 31. Oktober, heißt es in dem Schreiben an RWE-Chef Rolf Martin Schmitz.

RWE wollte zu der Ecosia-Offerte nicht Stellung nehmen. "Dieses Angebot kommentieren wir nicht und werden darauf auch nicht reagieren - das Angebot spricht für sich selbst", erklärte ein Konzernsprecher in Essen.

RWE hatte einen Großteil des verbliebenen Waldes abholzen wollen, um Braunkohle zu baggern, dagegen gab es viel Protest. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster hatte am vergangenen Freitag einen vorläufigen Rodungsstopp verfügt.

Ziele von Ecosia

„Wir denken, dass so ein fairer Interessenausgleich zwischen RWE und der Bevölkerung gefunden werden kann, und verpflichten uns mit dem Kauf der Fläche, die ökologischen und gesellschaftlichen Interessen gemeinsam mit Organisationen zu verfolgen, die sich für den Schutz des Forsts eingesetzt haben und sich dem Naturschutz widmen“, schreibt Ecosia-Geschäftsführer Christian Kroll an Schmitz.

Vor dem Hintergrund des Streits um den Hambacher Forst kündigte Nordrhein-Westfalens Justizminister Peter Biesenbach (CDU) derweil eine Initiative für schnellere Rechtssicherheit bei Großprojekten an. "Konkret schlage ich vor, dass über Großprojekte bei Verkehr, Umwelt und Industrie direkt vom Oberverwaltungsgericht als erster Instanz entschieden wird", sagte Biesenbach der "Rheinischen Post" vom Dienstag. "Die Ebene der Verwaltungsgerichte sollte übersprungen werden."
Damit könnten verwaltungsgerichtliche Verfahren wie diejenigen um die Erweiterung des Braunkohletagebaus am Hambach Forst um ein bis zwei Jahre beschleunigt werden. Auch sei eine höhere Spezialisierung in den Gerichten erforderlich, die für planungs- und wirtschaftsrechtliche Streitigkeiten zuständig sind. Die entsprechenden Vorschläge will Biesenbach der Justizministerkonferenz im November vorlegen.

Die Suchmaschine hat nach eigenen Angaben acht Millionen Nutzer. Die Einnahmen von Anzeigenkunden verwendet das Unternehmen nach eigenen Angaben dafür, Bäume zu Pflanzen. Zudem würden Rücklagen gebildet, sagte Génica Schäfgen von Ecosia der dpa. Aus diesen Rücklagen wolle man den Hambacher Forst kaufen, wenn RWE zustimme.

Der Hambacher Forst in Nordrhein-Westfalen ist für viele zu einem Symbol für den Widerstand gegen die klimaschädliche Stromgewinnung aus Kohle geworden. Ecosia geht dem Angebot zufolge davon aus, dass die in RWE aufgegangene Rheinbraun in den 70er Jahren umgerechnet rund 500.000 Euro für den Wald gezahlt hat. (dpa)

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