Klimawandel : Forscher warnen: Grundwasser schwindet

Eine Studie zeichnet ein düsteres Bild: Aufgrund des Klimawandels wird sich der Grundwasserspeicher in Zukunft nicht wieder auffüllen können.

Florence Schulz
Auch die Landwirtschaft ist auf gut gefüllte Grundwasserspeicher angewiesen.
Auch die Landwirtschaft ist auf gut gefüllte Grundwasserspeicher angewiesen.Foto: Patrick Pleul/dpa

Eine Studie einer internationalen Forschungsgruppe im Fachblatt „Nature Climate Change“ weist auf eine dramatische Entwicklung im Klimawandel hin: Die natürlichen Grundwasser-Reservoirs schrumpfen. In den nächsten 100 Jahren werden wahrscheinlich nur die Hälfte der Grundwasservorkommen weltweit wieder vollständig aufgefüllt werden. Trotz extremer Regenfälle können sich die Reservoirs aufgrund der immer häufiger werdenden Trockenperioden nicht wieder erholen. Die Folgen werden sich aber erst mit großer zeitlicher Verzögerung bemerkbar machen, so die Forscher.

Auch in Deutschland schlagen Meteorologen Alarm: Der Dezember 2016 war der trockenste seit 1963 – also seit 53 Jahren. Laut der Bilanz des Deutschen Wetterdienstes war das Jahr 2018 zudem das heißeste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881. Problematisch an langen Trockenperioden ist vor allem, dass die Wasserspeicher in der Regel nicht von einmaligen, starken Regenfällen gefüllt werden können. Besonders starker Regen fließt oberflächlich ab, statt dass das Wasser in tiefere Schichten sickert.

Für die Studie zum Grundwasser nutzten die Wissenschaftler Computermodelle auf Grundlage von Grundwasser-Daten. Die Ergebnisse alarmierten die Forscher: „Das könnte als Umwelt-Zeitbombe beschrieben werden, weil sich alle jetzt auftretenden Folgen des Klimawandels für die Grundwasserneubildung erst lange Zeit später vollständig auf den Basisabfluss zu Flüssen oder Feuchtgebieten auswirken werden“, sagte Mark Cuthbert von der Fakultät für Erd- und Meereswissenschaften an der Universität Cardiff der Nachrichtenagentur AFP.

Der Prozess, in dem Regenwasser gefiltert wird und sich in tieferen Erdschichten als Grundwasser ansammle, könne Jahrhunderte dauern. Die genaue Dauer sei von Region zu Region unterschiedlich. Besonders in bereits heute trockenen Gegenden wie der Sahara könne dieser Prozess mehrere tausend Jahre in Anspruch nehmen. Fehlt Wasser in den unterirdischen Speichern, sind Natur und Tiere bedroht, auch die Landwirtschaft ist betroffen. Dazu kommt eine höhere Konzentration an Schadstoffen im verbleibenden Wasser.

Die Menschheit sei sich dieses Problems nicht bewusst, beklagt Cuthbert: „Grundwasser ist außer Sichtweite und aus den Köpfen, diese gewaltige versteckte Ressource, über die die Menschen nicht viel nachdenken, obwohl sie die weltweite Produktion von Lebensmitteln stützt.“ Bereits heute sind die Grundwasservorräte durch die stark wachsende Zahl der Menschen auf der Erde und die damit einhergehende Steigerung der Lebensmittel-Produktion gefährdet. (mit AFP)

Erschienen bei EurActiv.

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